Irmtraud Gutschke 29.04.2010 / Literatur
Literatur

»Die Stadt gibt es nicht mehr«

Juri Andruchowytsch: »Werwolf Sutra«

Wie benenne ich das Weltgefühl, das die Texte verbindet? Verlorenheit? Und was wäre damit gesagt über das bodenlos Schwingende dieser Gedichte, die so viel mehr sind, als die Worte sagen? Beschreibst du ihren Inhalt, erfasst du sie doch nicht. Du liest und siehst die Welt mit den Augen eines anderen, der mehr Weltbürger ist als du, obwohl oder gerade weil er weit im Osten Europas lebt. Juri Andruchowytsch wurde 1960 in Iwano-Frankiwsk geboren, einer Stadt, die ursprünglich Stanislawow hieß und zur polnischen Wojewodschaft Ruthenia gehörte, 1772 österreichisch wurde, 1919 für kurze Zeit Hauptstadt der Westukrainischen Volksrepublik war, dann wieder zu Polen kam, 1939 der Sowjetunion angegliedert und 1941 von der deutschen Armee besetzt wurde. Etwa ein Drittel der Bevölkerung waren Juden – sie wurden umgebracht. Ein weiteres Drittel waren Polen – sie wurden nach dem Krieg zwangsweise umgesiedelt. Und nun ist es auch mit der Sowjetunion vorbei, gehört die Ukraine zur EU, Schriftsteller von dort logieren in Schloss Wiepersdorf, reisen nach Italien oder fliegen in die »Staaten«. Die Welt ist offen, du bist frei. Aber wer bist du? Was ist Heimat für dich?

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