»Sie wollen mich sicherlich nach dem Recht auf Rausch fragen«, sagt Bärbel Beuermann zu Beginn des Gesprächs. Die Spitzenkandidatin der NRW-LINKEN weiß, worauf sich die Medien oft stürzen, dabei steht diese Frage, wenn es um Inhalte für das bevölkerungsreichste Land geht, bei ihr ganz hinten. »Ich tue mich schwer mit dem Thema. Als Lehrerin an einer Förderschule kenne ich die negativen Auswirkungen von Drogen«, sagte sie kurz und knapp. Lieber spricht sie über Bildungs- und Sozialpolitik.
Beuermann ist das, was Parlamentarier eigentlich sein sollen, eine Vertreterin des Volkes. Eigentlich entspricht die Lehrerin nicht dem mittlerweile gängigen Klischee der öffentlichkeitswirksamen Politikerin. Sie ist zum Beispiel leise, kann zuhören und wirkt sehr natürlich und entspannt. Die Lautsprechermentalität anderer Politiker liegt ihr nicht. »Ich kann trotzdem meine Themen durchsetzen, nur gehe ich da nicht mit der Brechstange heran.«
Die Hernerin verkörpert lieber eine andere Art von Politikerin. Das permanente Spiel auf der Medienklaviatur ist ihr fremd – noch. Das heißt aber nicht, dass sie nicht kämpfen und auch heftig zurücklangen kann. So wie auf einer Podiumsdiskussion, als sie einen CDU-Politiker in die Schranken wies. »Der Mann pöbelte mich regelrecht an. Da sagte ich ihm, dass ich damit umgehen könne. Ich kenne das von meinen Schülern in der Förderschule, wenn die so ausrasten.« Solche Sätze sitzen und sagen über den Menschen Beuermann etwas aus. Wer jahrzehntelang in einer Förderschule gearbeitet hat, der muss etwas aushalten können. Frustrationen wegstecken können und trotzdem ausgeglichen bleiben.
Die 54-Jährige ist natürlich auch, bedingt durch die Arbeit an der Schule, Bildungsexpertin und hat klare Vorstellungen, wie sich die Politik in NRW verändern soll. »Wir wollen auf jeden Fall die Abschaffung der Studiengebühren. Dazu kommt noch, dass wir für die Wiedereinführung der Grundschulbezirke und die Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung plädieren. Gerade in diesem Punkt wird die Wahlfreiheit der Eltern eingeschränkt«, so Beuermann. Auch will Beuermann, dass die Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien auf acht Jahre geändert wird. »Da ist viel mit der heißen Nadel gestrickt worden. Die Schüler werden mit Stoff überlastet.«
Auch zum Steinkohlenbergbau hat Beuermann als Vertreterin aus dem Ruhrgebiet klare Standpunkte. »Ich bin für einen Sockelbergbau. Dieses Know-how der deutschen Bergbautechnik darf nicht verloren gehen und zudem ist das auch eine Arbeitsplatzfrage. An jedem Job unter Tage hängen anderthalb Arbeitsplätze über Tage«, spricht Beuermann auf die zahlreichen Zulieferbetriebe im Ruhrgebiet an.
Das Bild der Berufspolitikerin liegt Bärbel Beuermann eher nicht. »Was ich kritisch hinterfrage, ist dieser Weg: Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal. Wir brauchen natürlich junge Menschen und junge Themen, doch muss auch ein gewisses Maß an Berufserfahrung mit in die Arbeit gebracht werden.«
Vor dem Hintergrund des Finanzkollapses der Ruhrgebietskommunen sieht Beuermann mehr denn je die Dringlichkeit der Einführung einer Millionärssteuer. »Wir haben uns dafür ausgesprochen bei Vermögen ab einer Million Euro eine Steuer zu erheben. Das will inzwischen auch die SPD. Die Städte schlagen Alarm. Da müssen nun der Bund und die Länder in die Pflicht genommen werden. Es geht nicht ohne die Hilfe von außen.« Im Notfall schreckt Beuermann auch nicht vor einer Verfassungsklage zurück. »Da müssen Oberbürgermeister in den Kommunen überlegen, ob sie nicht diesen Weg gehen sollen.« Dennoch spricht sie sich gegen die Aussetzung der Solidarpakt-Ost-Zahlungen finanzschwacher Kommunen aus. Städte im Ruhrgebiet wollen aus den Transferleistungen aussteigen. »Ich bin dagegen, weil ich gegen eine Ausspielung von Ost- und Westinteressen bin. Wir müssen sehen, was ist machbar mit Bund und Ländern.« Das klingt sehr nach der Forderung nach einem Lastenausgleich zwischen den Ländern.
Um all diesen politischen Forderungen mehr Nachdruck verleihen zu können, müssen die LINKEN am 9. Mai den Sprung in den Landtag schaffen. Die Umfragewerte sehen die LINKEN knapp drin. Die Rolle der Partei im NRW-Landtag ist Beuermann jetzt schon klar. »Ziel ist es, Stachel im Fleisch der anderen Parteien zu sein.«
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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