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Jörg Meyer
14.05.2010

Nachahmung erwünscht

Nun hat die sächsische Staatsregierung doch klein beigegeben. Zeit wurde es. Die Zwangsteilzeit für Lehrer an Gymnasien und Mittelschulen ist im Freistaat fürs Erste vom Tisch – und damit auch die angedrohten Änderungskündigungen. Das teilte Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) am Dienstag mit. Nun sollen zunächst diejenigen gesucht und gefunden werden, die bereits freiwillig ihre Arbeitszeit verkürzen und das auch weiter tun wollen. Zudem sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass jährlich 130 junge Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden können. Damit endet ein monatelanges Tauziehen zwischen Beschäftigten, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Landesregierung.

Letztere hat sich monatelang gar nicht bewegt und auch jetzt erst, nachdem die GEW auf ebenso deutliche wie freundlich diplomatische Art und Weise an Landesvater Tillich schrieb, sie habe kein Interesse an der Eskalation, sehe aber keinen anderen Weg mehr. Der Vorschlag der GEW, dass 6100 von den rund 14 000 sächsischen Lehrkräften freiwillig weiter in Teilzeit arbeiten wollen, lag indes seit Januar auf dem Tisch. Tillich erklärte die Lehrer zur Chefsache und beauftragte sein Kabinett, endlich eine Lösung zu finden – konkret also: das von der GEW Vorgeschlagene endlich anzunehmen?

Hintergrund des Streits war die von der Regierung gewünschte Verlängerung eines Lehrertarifvertrages, der zum 31. Juli ausläuft. Nahezu alle sächsischen Lehrkräfte arbeiten danach schon seit 1992 auf die eine oder andere Art in Teilzeit. Bleibt zu hoffen, dass die Lehrerinnen und Lehrer aus der Sache gestärkt hervorgehen und diese Stärke in die im Sommer beginnende Tarifrunde mitnehmen. Der Gedanke, dass die schwarz-gelbe Koalition in Dresden mit dem Verlängerungswunsch schon weit im Vorfeld versucht hat, ins Tarifgeschehen einzugreifen, liegt ja nah.

Es sollte nicht vergessen werden, dass der Streit mit GEW und Lehrkräften nur ein Teil der Auseinandersetzungen ist, in denen Sachsen mit seinen drastischen Sparmaßnahmen in Kultur und Bildung steckt. An diesem einen Punkt hat sich gezeigt, dass Widerstand etwas bringt. Also bitte: Jetzt alle!

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