Von Mark Wolter
20.05.2010

Turbine will Madrid erobern

Heute Champions-League-Finale gegen Lyon

Abflug zum ersten Champions-League-Finale in Getafe: Turbines Co
Abflug zum ersten Champions-League-Finale in Getafe: Turbines Corina Schröder (l.) und Fatmire Bajramaj

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat schon so einiges gewonnen: Deutsche Meisterschaften, DFB-Pokale und den UEFA-Cup. Heute Abend könnte eine weitere, eine noch prestigeträchtigere Trophäe hinzukommen – ein Pokal, den es im Frauenfußball bisher noch nicht gab. »Wir können Geschichte schreiben«, sagt Turbines Trainer Bernd Schröder vor dem Finale der Champions League im Madrider Vorort Getafe gegen Olympique Lyon. »Dieses Spiel ist für unseren Verein eines der größten Dinge, die wir je erreicht haben«, sagt der schon seit 1971 verantwortliche Coach. »Wir haben lange darauf hingearbeitet. Jetzt wollen wir auch gewinnen.«

Nach acht Jahren UEFA-Cup hat der Europäische Fußball-Verband zur Aufwertung des internationalen Frauenfußballs die Champions League erschaffen. »Wenn man alleine schon das Wort hört, ist es etwas anderes als vorher«, sagt Potsdams Kapitän Jennifer Zietz und auch für Bernd Schröder ist der erstmals ausgetragene Wettbewerb »nicht mit dem UEFA-Pokalsieg 2005 zu vergleichen«. 53 Teams aus 44 Ländern, 18 Klubs mehr als im Vorjahr, starteten ins Titelrennen, das Finale wird erstmals nicht in Hin- und Rückspiel, sondern auf neutralem Boden ausgetragen.

Die Potsdamerinnen, die bereits am Dienstag nach Madrid geflogen waren und sich gestern Abend beim Abschlusstraining einen Eindruck von der 17 000 Zuschauer fassenden Coliseum Alfonso Pérez in Madrids Vorstadt Getafe machen konnten, haben nichts dem Zufall überlassen. Neben ausgiebigem Training mit den von der UEFA eigens für die Endspiele der Champions League gefertigten Bällen stand vor allem die Einstellung auf den heutigen Gegner auf dem Programm.

»Wir haben uns über Lyon informiert«, sagt Stürmerin Anja Mittag, die sich mit den Kolleginnen im Teamhotel im Nachbarort Fuenlabrada Videos der Französinnen angeschaut hat. »Ich kenne die Spielerinnen von Lyon sehr gut«, meint Schröder. Auch beim mehrfachen Studieren der Halbfinalpartien habe er nichts Überraschendes entdeckt. »Die Chancen stehen 50:50, vielleicht auch 60:40 für uns. Es wird sicher auch eine Frage der Tagesform.«

Auch wenn Turbine Potsdam auf mehr Erfahrung im internationalen Wettbewerb setzen kann, unterschätzen will man Lyon nicht. Der französische Klub hat sich vor der Saison mit vielen guten Spielerinnen verstärkt und setzt auf schnellen Offensivfußball. Überzeugen konnten sich davon die höher eingeschätzten Schwedinnen von Umeå IK, die zuhause im Halbfinalrückspiel das 2:3 von Lyon nicht mehr wettmachen konnten.

Der frisch gekürte deutsche Meister, der in der europäischen Vorschlussrunde den FCR Duisburg ausgeschaltet hatte, hofft auf die nächste Titelfeier. »Wir wissen, dass wir europäische Spitze sind«, macht Bernd Schröder den Anhängern Mut. Rund 300 Fans erwartet Turbine zur Unterstützung im Stadion, für die Heimgebliebenen gibt es ein Public Viewing im Potsdamer Kutschstall. »Wir ruhen uns aber nicht aus, nur weil wir ganz gut mit dem Ball umgehen können«, verspricht Jennifer Zietz. Turbine werde alles geben, damit die Geschichte der Champions League so beginnt, wie die meisten der acht UEFA-Cups endeten – mit einem Erfolg einer deutschen Mannschaft.


Bisherige Sieger Europapokal (Vorgängerwettbewerb UEFA-Cup)

2002 1. FFC Frankfurt
2003 Umeå IK (Schweden)
2004 Umeå IK (Schweden)
2005 Turbine Potsdam
2006 1. FFC Frankfurt
2007 FC Arsenal London
2008 1. FFC Frankfurt
2009 FCR Duisburg