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Wohin mit der Kunst?

Lukrezia Jochimsen über Wandbilder aus DDR-Zeiten

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ND: Die Fraktion der LINKEN im Bundestag setzt sich für den Erhalt von großflächigen Kunstwerken in der Tradition des sozialistischen Realismus in Ostdeutschland ein. Eine Arbeit von Walter Womacka in der Breiten Straße in Berlin konnte vor dem Abriss gerettet werden. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) kümmert sich um den Abbau und die Lagerung des Werkes »Der Mensch, das Maß aller Dinge«. Ist das ein Erfolg?
Jochimsen: Das ist auf jeden Fall ein Teilerfolg. Es hätte gut passieren können, dass das Gebäude aus dem Bundesbesitz klammheimlich abgerissen worden wäre. Denn es gibt eine bewusst schlampige Haltung gegenüber bedeutenden Kunst- und Geschichtswerken der DDR.

Auch die Wandarbeit von Ronald Paris »Lob des Kommunismus« im ehemaligen Zentralamt für Statistik in der Otto-Braun-Straße droht die Zerstörung. Was passiert damit?
Das weiß noch niemand, ob das gerettet werden kann. Am 31. Mai soll es eine Besichtigung der Förderkommission Bildende Kunst geben. Anschließend muss man überlegen, ob es einen neuen Platz bekommt. Bei dem Paris-Bild ist das aber kompliziert, weil es zerteilt werden muss, um aus dem Raum, in dem es ist, herausgenommen zu werden. Dann muss es wieder rekonstruiert werden. Technisch ist das kein Problem, es ist aber teuer.

Was kostet das?
Für das Abnehmen benötigt man 18 000 Euro. Für die anschließende Rekonstruktion ist noch keine Berechnung erstellt worden. Diese Werke sind im Eigentum des Bundes, und der macht beim Verkauf dieser Gebäude in der Breiten Straße oder in der Otto-Braun-Straße enorme Gewinne. Die Rettung der Kunstwerke könnte er aus der Portokasse bezahlen. Deshalb ist es umso unverständlicher, wenn sich die Bundesregierung hinstellt und sagt: Wer Interesse habe, solle sich das »Zeug« holen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) schrieb Ihnen in einem Brief, dass es sich bei Womacka und Paris um Maler handle, die über die Grenzen der DDR hinaus anerkannt seien. Dennoch sind ihre Werke unbeliebt?
Manchmal scheint es mir, als solle möglichst viel von ihrem Schaffen verschwinden und vernichtet werden. Aber wenn man die Aussage des Kulturstaatsministers ernst nimmt, dann ist er in der Pflicht, sich für den Erhalt einzusetzen!

Sind die Bilder von Womacka und Paris Einzelfälle?
Es gibt noch überall großflächige sozialistische Kunst, und man muss aufpassen, wenn diese Gebäude nun eines nach dem anderen abgerissen werden, dass diese Werke nicht verloren gehen. Wir haben darüber noch keinen Katalog erstellt. Aber das müsste man machen.

Gerade im Berliner Parlamentsviertel werden viele neue Gebäude mit großen Betonfassaden errichtet. Ich frage mich manchmal, warum man nicht diese Bilder, die ihren Standort verloren haben, mit in die Neubauten nimmt und sie dort zeigt.

Interview: Stefan Otto
Lukrezia Jochimsen ist kulturpolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag.

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