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Von Anna Maldini, Rom
26.05.2010

Kolosseum krankt an »Steinkrebs«

Geld für Sanierung des Wahrzeichens fehlt

Das Kolosseum ist krank. Kürzlich fielen drei kleine Stücke des ursprünglichen Kalkputzes von der Decke eines der Korridore – an sich kein großes Problem, aber ein eine Art Hilferuf des 2000 Jahre alten Bauwerkes, das an »Steinkrebs« leidet.

Fast zwei Jahrtausende hatte der Putz im ersten Stock des Amphitheaters gehalten – jetzt sind drei kleine Stücke herausgebrochen. Eigentlich ist der Schaden nicht groß und die Besucherströme konnten sich trotzdem in das vielleicht berühmteste antike Bauwerk der Welt ergießen, aber ein Warnsignal ist es allemal. Das Kolosseum braucht konstante Instandhaltung, die grob 700 000 Euro jährlich kostet, aber auch eine Generalüberholung, für die man etwa 23 Millionen veranschlagt hat. Und die fehlen offenbar in den italienischen Kassen oder besser gesagt: Die italienische Regierung sieht wohl nicht die Notwendigkeit, die Summe zur Verfügung zu stellen.

Das Kolosseum wurde nach einer achtjährigen Bauzeit im Jahr 80 unserer Zeitrechnung vom Kaiser Titus eröffnet. Etwa 75 000 Menschen hatten in dem Theater Platz, in dem in erster Linie Gladiatoren- und Tierkämpfe stattfanden oder berühmte Schlachten nachgestellt wurden; dass hier Christen verbrannt oder wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen wurden, dürfte hingegen eher eine Legende sein.

Das Amphitheater war etwa bis zum 6. Jahrhundert »in Betrieb«. Danach wurde es kaum beachtet oder aber – vor allem in der Renaissance – als Steinbruch benutzt. Heute ist das Kolosseum ein absoluter Touristenmagnet und wird jährlich von etwa 3,5 Millionen Menschen besucht.

Aber das Bauwerk ist krank. Der Putz – so sagen Fachleute – sei aufgrund extremer Schwankungen in Temperatur und Feuchtigkeit herausgebrochen, aber dadurch sei noch einmal klar geworden, dass die Mauern vom sogenanntem Steinkrebs befallen sind, der ihre Struktur chemisch verändert. Diesen Befall kann man stoppen – aber das kostet Geld. Und da der Staat dieses Geld nicht ausgeben kann oder will, werden jetzt private Sponsoren gesucht. Ein großer italienischer Schuhfabrikant und ein japanischer Unternehmer sollen Interesse zeigen. Ob sie im Gegenzug ihre Werbung auf dem Kolosseum platzieren wollen, ist noch nicht bekannt. Reklameplakate am größten antiken Amphitheater – schwer vorstellbar.

Doch auch die beste Restaurierung würde nicht allzu lange standhalten, wenn man die Umweltverschmutzung rund um den Bau nicht drastisch reduziert. Schon in den 80er Jahren hieß es ironisch, das Kolosseum sei die schönste Verkehrsinsel der Welt, weil täglich zigtausende Privatwagen, Taxis, Touristenbusse und öffentliche Verkehrsmittel um das Bauwerk herumfuhren. Seit damals hat sich kaum etwas getan und die giftigen Abgase können sich weiter ungestört in die antiken Mauern hineinfressen. Und Rom und Italien sehen zu.

Die Regierenden sollten vielleicht besser an die Vorhersagung des Mönches Beda aus dem 8. Jahrhundert denken, die besagt: »Solange es das Kolosseum gibt, gibt es auch Rom; wenn das Kolosseum fällt, fällt auch Rom; und wenn Rom fällt, fällt die ganze Welt.«

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