ND: Herr Kreische, die meisten kennen Sie als Dynamo-Fußballer in Dresden. Haben Sie gezögert, als das Angebot kam, in Leipzig zu arbeiten?
Kreische: Nein, denn es lag nahe. Dietmar Beiersdorfer ist seit 2009 der Fußballchef bei Red Bull, er hat mich 2003 zur Scouting-Abteilung des Hamburger SV geholt, als er dort Sportdirektor geworden ist. Das war für mich die Chance, weiter im Fußball zu arbeiten. Denn ich mache mir nichts vor: Ich bin zwar Fußballlehrer, trotzdem ist es schwer für jemanden aus dem Osten, eine Mannschaft zu trainieren, mit der man etwas bewegen kann. Nun hat er mir die Stelle in Leipzig angeboten, wo ich hauptverantwortlich Strukturen aufbauen soll. Ich habe keine Sekunde gezögert.
Sie halten jetzt für einen Viertligisten nach geeigneten Spielern Ausschau. Eine ganz andere Arbeit als in der Bundesliga?
Für den HSV war ich hauptsächlich für Spieler aus Tschechien und aus dem Osten Deutschlands zuständig. Ich habe einige U20-Weltmeisterschaften besucht und auch mehrere Male den Afrika-Cup. Für RB Leipzig muss ich eine Mannschaft zusammenstellen, die gemäß DFB-Statuten wenigstens vier U23–Spieler im Kader hat. Und nach meiner Ansicht sollen die nicht nur auf dem Spielberichtsbogen stehen, sondern möglichst auch spielen. Das heißt, ich gucke wieder mehr in der Region nach guten Leuten. Das macht mir wirklich Riesenspaß. Und irgendwann werden wir sicher auch wieder international arbeiten.
Es heißt, Sponsor Red Bull will mit RB Leipzig in die erste Bundesliga und dafür bis zu 100 Millionen Euro investieren. Wird RB durch die Regionalliga so »spazieren« wie durch die Oberliga?
Liga vier wird eine schwierige Kiste, mit all den Traditionsmannschaften aus dem Osten: Chemnitzer FC, Hallescher FC oder 1. FC Magdeburg und guten zweiten Mannschaften großer Klubs. Die Mischung im Team muss stimmen.
Bisher waren Leipziger Fußballfans entweder »Chemiker« oder »Lokisten«. Wo soll RB da noch seine Fans hernehmen?
Viele Leute, die ich treffe, freuen sich über RB. Sie finden, dass es eine Riesenchance für Leipzig ist, gerade, weil sich in den Jahren nach der Wende so vieles falsch entwickelt hatte – und das in einer Stadt mit so einem Stadion! Nur wenn das Sportliche stimmt, kann man auch die Leute anlocken, und zwar viel mehr, als das jetzt am Anfang der Fall sein wird. Die beiden anderen Leipziger Klubs wissen, dass man in Zukunft sicherlich einiges zusammen erreichen kann. Es kann ein Geben und Nehmen sein.
Gespräch: Jirka Grahl
Nirgendwo war dieser Ausspruch so treffend wie in Leipzig. Da kommt ein österreichischer Brausehersteller, pumpt viel zu viel Geld in einen kleinen Vorortclub, nimmt einen Umbenennung vor und hofft, dass nun das zahlungswillige Publikum in eine bis dato leerstehende Arena strömt.
Nein danke!
Durch die tiefverwurzelte Feindschaft zwischen Chemie und den Lokisten, wurd in Leipzig schon vor längerer Zeit die Chance vergeben endlich eine Mannschaft für die Region nach oben zu bringen. Jetzt hat der 1. FC Lok ein Naziproblem und Chemie ist als Neugründung irgendwo in den Unterklassen verschwunden und will - was man so liest - wohl wieder mit dem FC Sachsen Leipzig fusionieren.
Eine Stadt wie Leipzig braucht sicher keinen Retortenklub mit Klatschpappen und Tralala. Sie braucht ein seriöses Management für den Chemie oder auch Lok. Denn wenn das finanzielle Engagement den Rasenballern nicht schnell genug Flügel verleiht, dann wird halt irgendwo anders ein neuer Anlauf versucht. Zurück bleibt eine wieder leerstehende Arena, Eventpublikum was dann wieder ins Kino gehen muss und ein runierter FC Makranstädt, der seine Seele verkauft hat.
Da hilft dann auch kein Scout von Dynamo ...
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