Zumindest in meiner Grundschulklasse musste man als Junge eine schwerwiegende Entscheidung zur Selbstdefinition treffen: Kiss oder AC/DC; beides gleichzeitig stand nicht zur Debatte. Mir fiel die Entscheidung nicht sonderlich schwer, denn AC/DC rockten und Kiss nicht so sehr. Alles, was mir die Klassenkameraden von der Kiss-Fraktion aus missionarischem Antrieb von ihren Idolen vorspielten, konnte nicht überzeugen. Kiss auf Platte war Pop mit übersteuerten Gitarren. Kiss auf Platte ist jedoch auch nur der halbe Spaß, das hat sich nach all den Jahren auch bis zu mir rumgesprochen. Da ist es schön, dass Kiss gerade mit ihrer neuen CD »Sonic Boom« auf Tournee sind.
Der Titel des Albums verrät es bereits: Das Konzert am Mittwoch in der Berliner o2-World war laut. Allein das hätte den Auftritt von Paul Stanley (Gitarre/Gesang), Gene Simmons (Bass/Gesang), Tommy Thayer (Gitarre/Gesang) und Eric Singer (Schlagzeug/Gesang) imposant gemacht. Doch die Vier gaben alles, was man von ihnen erwartete: eng anliegende Stretch-Overalls, Nieten, hochtoupierte Haare, Superplateauschuhe und die charakteristische Gesichtsbemalung. Kiss ist schlicht und einfach ein Symbol der Pop-Kultur.
Dazu gab es Bühnenfeuer, Explosionen, abhebende Bühnen, schwebende Menschen, Bildschirmwände, auf denen wilde Frauen und harte Drinks für Imagepflege sorgten, und die legendäre Bühnenshow Simmons’ – eine Mischung aus japanischem No-Spiel und Horror-Trash.
Kiss referieren und spielen mit allem, was einen amerikanischen Teenager in den Siebzigern in den Augen seiner Eltern hoffnungslos verkommen machte. Sie wildern in Comics, predigen Sex; sie stehen für sinnfreie Feierwut und spielen mit den Symbolen des Bösen. Denn allein im grafischen Bild des Bandnamens fällt der Doppelblitz der letzten Buchstaben ins Auge. Doch hat das Spiel mit Nazi-Symbolen, dem sich die amerikanische Gegenkultur hingab, durchaus andere Beweggründe als hierzulande. Man darf nicht vergessen, dass die amerikanische Elterngeneration der sechziger und siebziger Jahre nicht die Täter, sondern die Befreier repräsentierten. Dass sich diese Autoritäten nur zu gerne damit brüsteten, sich zeitgleich jedoch in die unsäglichen Verbrechen des Vietnamkriegs verstrickten, stieß dem Nachwuchs sauer auf. Um sich also von dem Konservativismus abzugrenzen, und um zu provozieren – was die kulturelle Pflicht eines Achtzehnjährigen ist – schmückte man sich mit Hakenkreuzen und SS-Symbolen.
Von einem mehr oder weniger tiefsinnigen Protest ist bei Kiss jedoch nichts übrig geblieben. Kiss kombinierte einfach nur alles, was die Alten nicht verstanden, um ungestört eine unendliche Party zu feiern. Kurz: Kiss fabriziert einen lauten Rock'n'Roll-Zirkus. Sie zitieren ohne Sinn und Verstand. In diesem Zusammenhang lässt sich wohl auch verstehen, dass Solo-Passagen aus anderen Rock-Klassikern in die Stücke eingefügt werden («All Right Now« von Free), oder dass den Abend über immer wieder Led-Zeppelin-Stücke gespielt wurden.
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Kiss haben ihren Legenden-Status durchaus zurecht inne. Einerseits ist die Band die Mutter des Stadion-Rocks. Andererseits schulden Künstler wie Marilyn Manson Kiss ungemein viel. Doch was bei Manson neu und wirklich provozierend war, wirkt bei Kiss museal. Das ist auch in Ordnung so, denn das will die »Kiss-Army« (Bezeichnung für die Anhängerschaft der Band) auch sehen. Ein Kiss-Konzert heute ist für den Nicht-Fan jedoch nicht mehr als eine Mischung aus Disney-World und Museumsbesuch. Kiss entführt einen in eine längst vergangene Zeit des harmlosen Feierns.
Zieht man jedoch den Bühnenzauber von dem Gesamtpaket ab, dann bleibt die Musik. Und die ist bei Kiss – sorry, liebe »Kiss-Army« – schlicht Pop mit übersteuerten Gitarren.
Aktuelle CD: »Sonic Boom«
Ace Frehley und Peter Criss? Auch schon ewigkeiten wieder her. Ich würd dafür lieber die Namen Tommy Thayer und Eric Singer einsetzen. Damit wir wieder mit der Zeit sind ;-)
KISS SOLL POP MUSIK SEIN??????? LACHHAFT!!!!!!! WENN MAN SCHON KEINE AHNUNG HAT , SOLLTE MANN BESSER NICHTS SCHREIBEN. ACE FREHLEY UND PETER CRISS SIND NICHT MEHR BEI KISS. SORRY DER ARTIKEL IST EINFACH NUR LACHHAFT.
Sehr, sehr traurig...aber schlechte Recherche und blinde Übernahme irgendwelcher stupiden, uralten Textvorlagen ist man ja mitterweile im Journalismus der heutigen Zeit mehr als gewohnt. Besser mal nix schreiben (oder soll ich sagen: besser mal die Fr.... halten, wenn man keine Ahnung hat)...schlimmer als BILD....sagt doch schon alles.....
Lieber Leser,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider ist dem Autor hier in der Tat ein bedauerlicher Recherchefehler unterlaufen. Wir bitten hierfür um Entschuldigung und werden den Fehler umgehend ändern.
Herzliche Grüße, Ihre ND-Onlineredaktion
Lieber Leser,
auch Ihnen vielen Dank für den richtigen Hinweis. Wir bitten um Entschuldigung für diesen Fehler.
Herzliche Grüße, Ihre ND-Online-Redaktion
Auch Ihnen vielen Dank für den Hinweis. Wir werden die richtigen Namen umgehend einsetzen.
Herzliche Grüße, Ihre ND-Onlineredaktion
sorry leute, aber das ist wohl der schlechteste artikel über kiss, den ich seit den 80ern gelesen habe. der einstieg von wegen ac/dc und kiss ist cool, der stimmt so - aber das wars dann auch schon.
sie haben den namen von peter criss zwar geändert, aber er ist immer noch falsch, denn der aktuelle drummer heisst eric singer und nicht eric sing.
was sie runen-s betrifft sind diese bei kiss nicht auf die nazis zurückzuführen. ich nehme mal an, so wie dieser artikel recherchiert ist, wusste der schreibende redaktor mit sicherheit nicht, dass gene simmons und paul stanley juden sind. es ist kaum vorstellbar, dass diese zwei herren ein nazi-emblem in ihren schriftzug einbauen. vielmehr sind es alte runen, die es schon lange vor den nazis gegeben hat. bei kiss stehen sie für die energie von blitzen, was sie in ihren shows ja auch immer wieder praktizieren.
ich wünsche euch nun trotzdem ein schönes wochenende und rate dem verantwortlichen redaktor, sich in zukunft etwas mehr mit der recherche zu beschäftigen und nicht nur ein gratis-konzert vor augen zu haben.
hochachtungsvoll aus der schweiz
jonny
ups, habe ich im eifer des gefechts noch vergessen - eric sinder spielt übrigens schlagzeug und nicht gitarre und und tommy ist gitarrist!!!!
Heute steckt wirklich der Fehlerteufel im Detail. Auch Ihnen vielen Dank für den Hinweis.Herzliche Grüße, ND-Onlineredaktion
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