Von Dieter Hanisch, Kiel
26.06.2010

Reutlingen holte für Pakistan den Cup

Bei der Lebenswelt-Meisterschaft von Schülermannschaften geht es um mehr als nur um Fußball

Im Viertelfinale bewiesen die »Barbados-Potsdamer« gut
Im Viertelfinale bewiesen die »Barbados-Potsdamer« gute Nerven im Elfmeterschießen, als sie die Salomon-Inseln (Spielgemeinschaft Heinrich-Voss-Schule Eutin/Heinrich-Heine-Schule Heikendorf) bezwangen.

Noch wissen wir nicht, wer in Südafrika Fußball-Weltmeister wird, doch der Titel des sogenannten Lebensweltmeisters geht an Pakistan. Beim Bundesfinale eines Schülerwettbewerbs in Kiel siegte das Team im Finale mit 1:0 gegen Tahiti. Unter den 32 Finalmannschaften aus siebten, achten und neunten Klassen, die jeweils eine Land verkörperten, jubelte für Sieger Pakistan am Ende das Isolde-Kurz-Gymnasium aus Reutlingen.

Was liegt näher, als attraktiven Geographie- und Sozialkundeunterricht im Jahr der Fußball-WM mit dem die Massen global elektrisierenden Spiel zu verknüpfen? Dies sagte sich Martin Weber aus dem schleswig-holsteinischen Neudorf bei Gettorf. Bereits zur WM vor vier Jahren hatte er das Lebensweltmeisterprojekt in kleinerem Stil kreiert. Blieb die Idee damals noch im nördlichsten Bundesland, beteiligten sich diesmal 14 Länder – nur Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fanden keine Projektpartner. 345 Schulen wollten mitmachen, 204 gemischte (Jungen- und Mädchenmix war Bedingung) Teams mit rund 4000 Teenagern nahmen schließlich in 31 Vorrunden den Wettbewerb auf. Dann folgten noch einmal 16 Zwischenrunden, ehe die Endrunde für Kiel komplett war.

Bevor es auf Torejagd ging, wurde jedem Team ein Land zugelost, das im Unterricht behandelt werden musste und worüber es ein Plakat zu den Lebenssituationen dortiger Jugendlicher zu erstellen gab. Dafür wurde in der Regel das Internet »geplündert«. Via weltweiter Datenautobahn gelang es teilweise, direkte Kontakte zu den »Partnerländer»-Jugendlichen herzustellen, um herauszufinden, wie der dortige Alltag aussieht, welche Musik gehört oder welchen anderen Beschäftigungen nachgegangen wird.

Bei den Kleinfeldduellen setzten sich dann auch vermeintliche »Zwerge« gegen große Nationen durch. So kickten in Kiel nur fünf Länderteams, die auch in Südafrika dabei sind. Diese strauchelten aber bereits in der Gruppenphase bzw. spätestens im Achtelfinale. Dafür schafften es Fußballexoten wie Seychellen, Malawi, oder die Salomon-Inseln bis zum Finalturnier.

Bei zwei Organisationen liefen alle Fäden zusammen: Bei der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt- Landesnetzwerke Deutschland (agl) in Hannover und beim Entwicklungspädagogischen Informationszentrum (EpiZ) Reutlingen. Am Spielort wurde ein Zeltlager für die ca. 650 Teilnehmer aufgebaut. Regen machte das Turnier zu einer feuchten Sache. Zum einen wurden Teile der Quartiere unter Wasser gesetzt, zum anderen fehlte nicht viel, und die Gruppenspiele wären »ertrunken«. Bei den K.o.-Runden-Spielen im Stadion des KSV Holstein war es dann trocken.

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Dort war die Kolonie der Goethe-Schule Potsdam am lautesten. Nach sieben Auftritten sprang für die Gymnasiasten ein dritter Platz heraus. Der Repräsentant für Barbados besiegte im Spiel um Platz 3 das Team Senegal (Marienschule Lingen) mit 3:1. Die Potsdamer Delegation zählte 42 Reisende, da auch viele Kicker, die nur in der Vorrunde oder Zwischenrunde auf dem Weg nach Kiel mitgeholfen hatten, als Unterstützung dabei waren.

Brandenburgs Koordinator Bernd Stiebitz war zufrieden: »Von neun teilnehmenden Teams haben es zwei bis Kiel geschafft.« Die Sportschule Frankfurt (Oder) blieb in der Vorgruppe hängen, da ihre Dominica-Collage die Jury weniger überzeugte. Stiebitz. »Das waren eigentlich die besseren Fußballer!«

Dass die kreativ-künstlerische Bewertung selbst noch bis zum Achtelfinale so sehr zu Buche schlug, ärgerte auch das Team der Geschwister-Scholl-Regel- und Me- dienschule aus Meuselwitz, die Aruba darstellte. Sportlich hätte es dagegen kaum für die Jenaplanschule aus Jena gereicht, doch ihre »Schweden«-Arbeit ließ das Team bis ins Holstein-Stadion kommen, wo im Achtelfinale das Aus kam.

Süd-Koordinator Rainer Schwarzmeier lobte das harmonische Miteinander so vieler Schulformen: »Der Wettbewerb ruft geradezu nach einer Wiederholung!« Die Sieger aus Reutlingen gewannen übrigens einen Besuch im Trainingslager des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Dafür bedankten sie sich mit dem Absingen der pakistanischen Hymne!

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