Von Thomas Nowag und Tom Vaagt, SID
02.07.2010

Ghana für alle, alle für Ghana

Uruguay bleibt im Viertelfinale nur die Rolle des Spielverderbers

Erst die Chance auf eine Premiere, dann ein Abendessen mit Nelson Mandela – Afrikas letzte Hoffnung Ghana geht mit der Unterstützung des gesamten Kontinents in sein Viertelfinale gegen Uruguay. Friedensnobelpreisträger Mandela höchstpersönlich hat die »Black Stars« für Samstag zur Audienz gebeten. Die Mannschaft wird sich deshalb heute in Johannesburg ab 20.30 Uhr zerreißen, um als erster afrikanischer Halbfinalist einer Fußball-Weltmeisterschaft zum Dinner zu erscheinen.

»Wir siegen für Afrika«, sagt Ghanas Mittelfeldantreiber Kevin Prince Boateng, der eine Oberschenkelverletzung rechtzeitig vor dem Spiel seines Lebens auskuriert hat. »Wir haben einen Lauf. Wir werden ins Halbfinale einziehen und den Kontinent stolz machen.« Der ehemalige Bundesliga-Profi und ghanaische Nationalspieler Tony Baffoe, am Kap für den Weltverband FIFA im Einsatz, ist ebenfalls zuversichtlich: »Ich glaube an das Halbfinale, ich glaube an Ghana und Afrika. Wir werden 2:1 gewinnen.«

Südafrika hat Ghanas Hoffnungsträger längst adoptiert. »Die Shooting Stars werden mit der Hilfe von ganz Afrika Historisches vollbringen«, schrieb am Donnerstag die Johannesburger Zeitung »The Citizen«. Der frühere südafrikanische Präsident Thabo Mbeki richtete eine Grußbotschaft an den ghanaischen Verband: »Ich bin sicher, dass Millionen Südafrikaner hinter euch stehen!«

Auch WM-Cheforganisator Danny Jordaan, der eigentlich zur Neutralität verpflichtet wäre, schlägt sich offen auf die Seite Ghanas. »Einmal einen afrikanischen Fußballer im Halbfinale tanzen sehen, das wäre einfach wundervoll«, sagte Jordaan. Ghanas Mittelfeldstar Sulley Muntari ist zuversichtlich und versprach sogar, Afrika »das Glück zurückzubringen«.

Uruguay bleibt in dieser Konstellation nur die Rolle des ungeliebten Spielverderbers. Rund 85 000 Vuvuzelas werden im Soccer-City-Stadion von Johannesburg einen Höllenlärm entfachen, während die »Urus« versuchen wollen, im Glanze längst vergangener Zeiten zu erstrahlen. Der Weltmeister von 1930 und 1950 träumt endlich wieder vom dritten Stern.

»Für Uruguays Fußball ist es das wichtigste Spiel in den vergangenen Jahrzehnten, denn mit einem Sieg über Ghana erreichen wir etwas, wonach wir lange Zeit vergeblich gestrebt haben«, sagte Trainer Oscar Tabarez und ergänzte: »Unsere Erfolge sollte man in der Vergangenheit ruhen lassen. Sie sind unantastbar. Es ist Zeit für neue Glanztaten.«

Einiges spricht vor dem ersten WM-Viertelfinale mit uruguayischer Beteiligung seit 1970 für die kleinste verbliebene Nation bei der Endrunde. Das Sturmduo Diego Forlan und Luis Suarez ist in Topform, und bislang hat noch keine afrikanische Mannschaft ein Spiel in Soccer City gewonnen. »Wir sind bereit, weiterhin für eine wunderbare Sache zu kämpfen«, sagte Suarez.

Für Aufregung sorgten im Lager der »Urus« Gerüchte, dass der Engländer Howard Webb das Spiel leiten sollte – ausgerechnet, nachdem ein Uruguayer die Engländer gegen Deutschland verpfiffen hatte. »Wir haben unseren Unmut bei der FIFA vorgetragen«, sagte Verbandspräsident Sebastian Bauza. Nun leitet aber Olegario Benquerenca aus Portugal das erste WM-Duell der beiden Mannschaften.

Ghana erhielt Zuspruch von allen Seiten. Ob Roger Milla, Kalusha Bwalya, Abedi Pele, George Weah, Sammy Kuffour – alle ehemaligen Größen des afrikanischen Fußballs drücken die Daumen. »Ich sehe Ghana sogar im Finale«, sagte Abedi Pele.

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