Kistenweise sei das Geld über den Kabuler Flughafen außer Landes gebracht worden. Von mindestens 4,2 Milliarden Dollar in den letzten dreieinhalb Jahren gehen Ermittler aus. Zum Vergleich: Der afghanische Staatshaushalt hat ein Volumen von etwa 3,5 Milliarden Dollar. Ein Teil der Summe dürfte aus Hilfs- und Wiederaufbauprojekten stammen, Drogengelder vermuten Experten, Gewinne aus Waffen- und anderen dunklen Geschäften. Geldwäsche und Vetternwirtschaft in riesigem Ausmaß haben dafür gesorgt, dass Afghanistan im Korruptionsindex von Transparency International Rang 179 von 180 Staaten belegt. Ein Problem mit weitreichenden Folgen. Die Verstrickung hoher Beamter und Politiker bis hin zu Vertrauten und Verwandten des Präsidenten hat wesentlich zur Delegitimierung der Regierung in der Bevölkerung beigetragen und verschafft den Taliban Zulauf. Aber wenn von Kabul größere Anstrengungen im Kampf gegen die Korruption gefordert werden, dann ist das nur eine Seite der Medaille. Denn Washingtons Militär selbst zahlt Schutzgeld für seine Nachschubkonvois am Hindukusch und finanziert so mit Steuermitteln Warlords und andere Profiteure der Schattenwirtschaft. Im Kongress befürchte man sogar, dass mit diesem Geld letztlich auch Waffen für die Taliban beschafft werden. Im Fußball nennt man das ein Eigentor.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
»Keine Lösung für Frieden« Irans Präsident kontra internationalen Militäreinsatz in Afghanistan
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