Klaus Bellin 10.07.2010 / Kultur

Bücherlust und Kafka-Liebe

Klaus Wagenbach, der brillante und legendäre Verleger, wird 80 Jahre alt

Bub, schätz mal, sagte der Lehrer zu seinem Lehrling und drückte ihm ein braunes, schäbiges Bändchen in die Hand, das man bei S. Fischer noch einmal herausbringen wollte. Der junge Mann, beauftragt, den Umfang des Neudrucks zu bestimmen, nahm das Buch und fing an, die Zeilen zu zählen. Er stutzte gleich, stutzte schon beim ersten Satz: »Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.« Es war ein berühmter Satz, einer der berühmtesten der modernen Literatur, aber das wusste er noch nicht. Geschrieben hatte ihn Franz Kafka, von dem er schon gehört, aber nichts gelesen hatte. Das Lesen holte er, elektrisiert von dieser Romaneröffnung, schnell nach. Noch in der Nacht nahm er sich den »Prozeß« vor und gleich darauf die anderen Bücher und Prosatexte. Es war Liebe auf den ersten Blick, eine Faszination, die sich bis heute nicht verloren hat. Später wird er sich spaßhaft sogar als Kafkas »dienstälteste lebende Witwe« bezeichnen.

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