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Von Knut Henkel 14.07.2010 / Wirtschaft

Billigbohne auf dem Vormarsch

Mexiko unterstützt den Anbau einer preiswerten Kaffeesorte / Bauern und Experten skeptisch

Arabica heißt die bei Gourmets heiß begehrte Hochlandkaffeesorte. Auf die weitaus billigere Robusta-Bohne setzt hingegen Mexikos Regierung, um die Kaffeeproduktion auszuweiten. Bei den Herstellern von Instantkaffee wie Nestlé oder dem mexikanischen Konkurrenten Sabormex stößt die Initiative auf Beifall – bei den Produzenten weniger.

»Café Pluma« heißt der Kaffeestolz der Bewohner der mexikanischen Stadt Oaxaca. Rund um um die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats wird feiner Arabica Kaffee in Gourmetqualität angebaut. »Tres Oros« heißt der Gourmet-Espresso einer der lokalen Röstereien, »Pluma Coixtepec« ein Bioespresso. Der Gastronom Luis Ugartechea ist ein Fan der Kaffeequalität aus seinem Heimatort. Er betreibt ein edles Grillrestaurant im Mittelpunkt der Stadt, dem Zócalo, und geht öfter ein Stockwerk tiefer einen Espresso trinken. Auf die Qualität der Kaffees aus dem Bundesstaat schwört er, denn Oaxaca gehört genauso wie das benachbarte Chiapas zu den traditionellen Kaffeeregionen. Hier wird seit Jahrhunderten in Höhenlagen über achthundert Meter Arabica angebaut.

Doch auch in Oaxaca ist die Robusta-Bohne auf dem Vormarsch. Seit kurzem mit staatlicher Unterstützung, denn die Zentralregierung in Mexiko-Stadt hat ein Förderprogramm für die billigere und auch in tieferen Lagen Erträge bringende Robusta-Bohne aufgelegt. Mit drei Millionen US-Dollar will die Regierung von Felipe Calderón den Ausbau der Robusta-Plantagen fördern. Bis 2012, so die Zielperspektive, sollen die jährlichen Erträge von derzeit 150 000 auf 500 000 Sack à sechzig Kilogramm steigen.

Von der Initiative der Regierung profitieren der Schweizer Multi Nestlé und die mexikanische Firma Sabormex, die neben Instantkaffee auch Konserven vertreibt. Beide sind die Schwergewichte im mexikanischen Kaffeemarkt, der mindestens zur Hälfte vom beliebten Instantkaffee dominiert wird. Heißes Wasser und dazu ein Löffel aus der Dose – das ist in weiten Teilen des Landes das Motto, auch wenn Kaffeespezialitäten wie Espresso und Co. in den Großstädten mehr und mehr auf dem Vormarsch sind.

Der billigere Robusta, der meist zu Pulverkaffee verarbeitet wird, ist in Mexiko eine Domäne der Firma Nestlé, die achtzig Prozent des Marktes kontrolliert und ihr Instantkaffeeimperium weiter ausdehnen will. Billiger Nachschub ist dafür von Nöten und seit 2003 ist das Unternehmen dabei im Bundesstaat Veracruz aktiv. Hier produzieren mehrere Tausend Familien Robusta auf einigen Tausend Hektar Land. In ganz Mexiko sind es 3400 Hektar, die mit dieser Kaffeesorte bepflanzt sind. Das ist wenig im Vergleich zu den 560 000 Hektar, auf denen 460 000 Bauern Arabica anbauen.

165 US-Dollar kostet derzeit der Sack Arabica, die gleiche Menge Robusta ist schon für 70 US-Dollar zu haben – Tendenz fallend. Ein wesentlicher Grund, weshalb die Kaffeebauern die Regierungsoffensive mit Skepsis beobachten, denn die Nachfrage sei stabil und eine Robusta-Schwemme kaum absehbar, analysiert der autonome Rat zur Kaffeeförderung in Mexiko. Auch die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO rät vom Ausbau der Robusta-Kulturen über eine Marge von fünf Prozent an der Ernte ab. Sie empfiehlt, so eine Studie von 2006, Biosorten wie »Oro Azteca« anzubauen. Diese sind von einer Qualität, die der »Pluma Coixtepec« aus Oaxaca nahekommt.

Die Bioqualität ist unter Kaffeegourmets ohnehin gefragt und Arabica-Kaffee aus Mexiko genießt einen ziemlich guten Ruf. Das scheint im mexikanischen Agrarministerium allerdings nicht bekannt zu sein.

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