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Von Reimar Paul
27.07.2010

Knackpunkt Endlager

Noch bis in die 1970er Jahre hinein träumte die Atomlobby den Traum vom nuklearen Brennstoffkreislauf. Die irdischen Uranquellen sollten nur vorübergehend angezapft werden, Wiederaufarbeitungsanlagen und Schnelle Brutreaktoren dann einen schier unerschöpflichen Nachschub an Brennstoff liefern und sich für alle Ewigkeit selbst versorgen. Der Traum ist längst vorbei. Die Brütertechnologie scheiterte weltweit. Und der Brennstoffkreislauf ist keiner, weil er sich nicht schließt.

Stattdessen produzieren die Atomkraftwerke neben ineffizienter – weil nur zu rund einem Drittel in Strom umgewandelter – Energie immer mehr Müll. Die Pannen und Skandale in Asse und Morsleben zeigen, dass Atomwirtschaft, Politik und Behörden schon mit der Verwahrung schwach und mittelradioaktiver Abfälle hoffungslos überfordert sind. Abgebrannte Reaktorbrennstäbe oder Rückstände aus der Wiederaufarbeitung müssten eigentlich noch sorgfältiger verwahrt werden. Doch eine Lagerstätte für hochradioaktive Abfälle gibt es bislang nicht.

Der Salzstock Gorleben wurde vor fast 35 Jahren wider besseres Fachwissen und aus fadenscheinigen politischen Gründen als Lagerstätte vorgesehen. Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Albrecht wollte mit der Wahl eines Standorts dicht an der Grenze die DDR ärgern. Die Regierung Kohl ließ später kritische Gutachten frisieren. Auch der aktuelle Umweltminister Röttgen hat sich auf die alternativlose Erkundung von Gorleben festgelegt.

Die Endlagerung bleibt der Knackpunkt. Das weiß die Atomlobby: Kippt Gorleben, wackelt das ganze Atomprogramm. Das weiß aber auch die Anti-Atom-Bewegung.

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