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Von Harald Neuber 03.08.2010 / Kommentar
kommentiert

Krisenfantasien

Wer in den vergangenen Jahren die Schlagzeilen über Kuba sah, musste an ein baldiges Ende des kubanischen Sozialismus glauben. Kuba sei »kurz vor dem Bankrott« (taz), die Wirtschaft »am Boden« (Deutsche Welle). »Nie war die Lage so dramatisch wie jetzt«, schreibt Spiegel Online. War sie nicht? Sieht es also schlimmer aus als in den 90ern? Damals hatte Kuba nach der Auflösung des RGW 85 Prozent des Außenhandelsvolumens verloren. Das Land stand über Nacht still.

Trotz des Aufschwungs seither sind Kubas Wirtschaftsprobleme nicht zu leugnen. Von der westlichen Presse werden sie jedoch stets an die Systemfrage geknüpft. » Eine Abkehr vom Sozialismus werde es aber nicht geben«, schreibt Tagesschau.de – und es klingt wie ein Vorwurf. Über Details ist wenig zu erfahren. Den Umstand etwa, dass die Schulden im zu Ende gegangenen Fiskaljahr um ein Drittel abgebaut wurden.

Kubas wirtschaftliche Effizienzprobleme, vor allem in der Landwirtschaft, sind ein regionales Problem. Doch anders als in Zentralamerika oder Haiti kam es auf der größten der Antilleninseln nicht zu Hungertoten. Statt dies zu erwähnen, benutzen internationale Medien, wenn es um Kuba gehe, »mitunter die gleichen Sätze und Einschätzungen«, sagte Raúl Castro in der Nationalversammlung. Der Staatschef sieht die Berichte über einen angeblichen Staatsbankrott jedoch gelassen: »Einen wirklichen Grund zur Sorge hätten wir, wenn sie uns loben würden.«

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