Ecuadors Vizepräsident Lenín Moreno und Rebeca Grynspan vom UN-Entwicklungsprogramm unterzeichneten am Dienstag in Quito eine Vereinbarung über den Treuhandfonds, der Entschädigungszahlungen für den Verzicht auf die Ölförderung im Regenwald verwalten soll. Demnach soll die »internationale Gemeinschaft« in den kommenden 13 Jahren rund 2,7 Milliarden Euro aufbringen, etwa die Hälfte der vermuteten Einnahmen aus der Ölförderung in Ecuadors östlichem Amazonasgebiet. In den kommenden 18 Monaten sollen zunächst 100 Millionen Dollar eingeworben werden. Die Zinsen aus dem Fonds fließen in Umwelt- und Sozialprojekte.
Ecuador leiste einen »innovativen, gewagten und bahnbrechenden Beitrag für die Menschheit«, sagte UN-Funktionärin Grynspan. Nach jahrelangem Werben für die »neue Logik« sei die Unterzeichnung der bislang wichtigste Schritt der Regierungsinitiative, freute sich María Fernanda Espinosa. Die Naturschutzministerin ist die derzeit engagierteste Verfechterin der sogenannten Yasuní-ITT-Initiative in der Regierung.
Durch Verzicht auf die Förderung von 846 Millionen Barrel Öl, einem Fünftel von Ecuadors Ölreserven, sollen die Artenvielfalt und der Lebensraum zweier indigener Völker im Ishpingo-Tambococha-Tiputini-Korridor (ITT) im Yasuní-Nationalpark erhalten bleiben. Zudem würde der Ausstoß von 410 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Präsident Rafael Correa hatte die von Umweltaktivisten um den damaligen Energieminister Alberto Acosta entwickelte Initiative im Juni 2007 lanciert, aber nur halbherzig vorangetrieben.
Insbesondere in Europa stieß die Initiative auf Interesse. Im Juni 2009 stellte die Große Koalition Ecuador jährlich 50 Millionen Euro über 13 Jahre in Aussicht. Unter FDP-Regie steht das Entwicklungshilfeministerium den Linksregierungen Südamerikas deutlich kritischer gegenüber. Berlin betrachte die Idee aufgeschlossen, sagte am Mittwoch ein Sprecher. Allerdings sei noch »eine Reihe von grundlegenden Fragen offen«.
Staatspräsident Rafael Correa hatte die Einrichtung des Treuhandfonds hinausgezögert und klar gemacht, dass sich seine Regierung die Förderoption offenhalte. Erdöl ist eines der wichtigsten Exportgüter, und die Öllobby hat auch innerhalb der Regierung starke Fürsprecher. Umweltaktivisten feierten daher jetzt die Vereinbarung. Esperanza Martínez von der »Acción Ecológica« forderte aber zugleich die Regierung auf, ihren Konfrontationskurs mit der Indigenabewegung aufzugeben: »Ohne diese Gemeinschaften wäre die Yasuní-Initiative überhaupt nicht entstanden.«
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Preis: 10,80 €
Preis: 100,00 €
Werbung:
Werbung: