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Von Regina Stötzel
10.08.2010

»Sind deine Freunde schon bei Facebook?«

Bußgeldverfahren gegen soziales Netzwerk wegen Daten von Nicht-Nutzern: Stellungnahme erwartet

500 Millionen Mitglieder sind nicht genug. Facebook will sie alle. Um Nicht-Nutzer besser ködern zu können, sammelt das Unternehmen Informationen über sie. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat dies bemängelt und erwartet dieser Tage eine Stellungnahme des Unternehmens.

»Du bist ja nicht bei Facebook«, lautet heutzutage die Erklärung von Freunden, wenn man ein wichtiges Ereignis verpasst hat. Und während man sehnsüchtig auf die E-Mail einer Freundin wartet, die in Übersee weilt, berichten andere, was diese auf Facebook alles gepostet hat. Um beharrlichen Nicht-Nutzern die Mitgliedschaft in dem sozialen Netzwerk noch schmackhafter zu machen, erhalten sie außerdem Werbe-Mails von dem Unternehmen selbst, etwa mit der Aufforderung eines Freundes, dessen bei Facebook eingestellte Fotos anzuschauen. Und nicht nur das: Weiter unten im Text finden sich mitunter Namen von Personen, die bereits bei Facebook Mitglied sind und den Empfänger der Mail »interessieren könnten«.

Der Adressat einer solchen Mail – selbst kein Nutzer von Facebook – berichtet von einem guten Dutzend Namen an dieser Stelle, bei denen es sich bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich um seine Freunde oder Bekannte handelte. »Ganz sicher sind Personen dabei, die der Freund, dessen Fotos ich anschauen sollte, gar nicht kennt.« Ebenso gewiss sei es, dass sich einige der aufgelisteten Personen untereinander nicht kennen.

Wegen solcher wundersamer Kenntnisse über das soziale Umfeld von Nicht-Mitgliedern hat der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kürzlich ein förmliches Bußgeldverfahren gegen Facebook eingeleitet. Das Unternehmen werte mittels Einladungs- und Synchronisierungsfunktionen die E-Mail- und Handy-Adressbücher seiner Nutzer aus, gab der Hamburger Senat im Juli bekannt. Auf diese Weise würden auch Daten von Nicht-Nutzern erhoben, gespeichert und zu Vermarktungszwecken genutzt – ohne deren Einwilligung. Das hält Caspar datenschutzrechtlich für unzulässig. »Unter Gesichtspunkten des Datenschutzes sind die Bedingungen bei Facebook leider nicht optimal«, sagt Caspar. Er bemängelt etwa, dass selbst bei bestmöglichen Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre Profil und Name des Mitglieds sichtbar bleiben. Allerdings könne der interessierte Nutzer dies in den Datenschutzrichtlinien nachlesen. Wer bei Facebook eintrete, lasse sich auf diese Bedingungen ein.

Überhaupt muss der arglose Nutzer einigen Versuchungen widerstehen, um seine und die Daten anderer zu schützen. Gleich nach der Registrierung versucht Facebook penetrant, das neue Mitglied an die Hand zu nehmen. »Sind deine Freunde schon bei Facebook? Das Durchsuchen deines E-Mail-Kontos ist der schnellste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden«, lautet der Vorschlag. Immer wieder drängt sich der »automatische Freundefinder« auf. Auch schlägt Facebook vor, das Mobiltelefon zu »aktivieren«. Genau dort, in den Adressbüchern des E-Mail-Accounts und des Telefons von Facebook-Mitgliedern finden sich die Informationen über Nicht-Nutzer.

Bevor die Aufforderung erfolgt »Bestimme, welche Informationen du mit anderen teilst«, hat der neue Nutzer möglicherweise bereits Name, Wohnort, Geburtstag, »politische Einstellung« und »religiöse Ansichten« preisgegeben, Schule, Hochschule oder Arbeitgeber genannt, eine ausführlichere Biografie geschrieben, ein Foto von sich hochgeladen und eben jene Zugriffe auf E-Mail-Konto und Mobiltelefon gestattet. Vor wenigen Tagen stellte ein Blogger die Daten aus 100 Millionen öffentlich zugänglichen Profilen zusammen und bot sie im Paket im Internet an, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Erst seit Facebook eine Niederlassung in Hamburg aufgemacht hat, unterliegt das Unternehmen überhaupt den deutschen Datenschutzbestimmungen. Dagegen, dass Facebook-Mitglieder zahlreiche Informationen über sich veröffentlichen, kann man nichts machen. Doch was die Nicht-Nutzer angeht, so ist Facebook aufgefordert, bis zum 11. August zu den erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. »Ich gehe davon aus, dass Facebook zu einer Stellungnahme bereit ist, im eigenem Interesse«, sagt Caspar. »Gezwungen sind sie dazu aber nicht.« Bevor entschieden wird, wie es in dem Verfahren weitergeht, werde man sich mit den Verantwortlichen in den USA austauschen und in der Datenschutzbehörde zu Beratungen zusammensetzen.

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