ND: Warum haben Sie die Aktion »Denkpausen« genannt? Was verbirgt sich dahinter?
Fischer: Dahinter verbirgt sich die längere Unterbrechung des Rennens. Die Fahrer sollen absteigen. Wir nennen es »Denkpausen«, weil wir den Begriff Blockade zu hart fanden. Aus unserer Sicht sind, statt des Greenwashings, das Vattenfall vorhat, Denkpausen fällig. Es sollte darüber nachgedacht werden, welche Politik Vattenfall in Hamburg macht. Der Konzern baut hier das größte Kohlekraftwerk Europas – gegen den Willen der Hamburgerinnen und Hamburger. Und gleichzeitig will er auch noch die AKW Krümmel und Brunsbüttel nach all den Pannen wieder hochfahren. Es muss darüber nachgedacht werden, ob das verändert werden kann.
Sie haben alle beteiligten Rennställe angeschrieben. Was für Reaktionen haben Sie erhalten?
Wir haben keine Postadresse, wo man sich melden könnte. Wir wollten uns direkt an die Sportler wenden, damit diese von der Aktion nicht völlig überrascht werden. Die Aktion richtet sich nicht gegen die Rennställe, den Radsport oder die Sportler, sondern ausschließlich gegen Vattenfall und dessen Politik.
Warum bezeichnen Sie Vattenfall als dreckigen Energiekonzern?
Vattenfall ist nachweislich der Energiekonzern, der in Deutschland die höchsten Kohlendioxid-Emissionen pro produzierter Kilowattstunde erzeugt. Und in Hamburg machen wir die Erfahrung, dass sich Vattenfall überhaupt nicht um die Meinung der Bürger schert, sondern ausschließlich nach Konzerninteresse vorgeht – also zu Lasten der Bürger den schnellen Euro macht. Das hat auch weltweit Konsequenzen, wie es beispielsweise die verheerenden Unwetter in Pakistan zeigen, die direkt auf den Klimawandel zurückzuführen sind.
Sie argumentieren, dass Vattenfall die Cyclassic für Greenwashing instrumentalisiert, also nutzen will, um sich in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu geben. Wie funktioniert das?
Vattenfall hat bei der Übernahme der Hamburger Elektrizitätswerke aus deren Fundus eine ganze Reihe gesellschaftlicher Ereignisse mit übernommen, so auch die Cyclassics. Damit präsentiert sich Vattenfall als in die Gesellschaft eingebettet. Radsport hat ein ökologisch einwandfreies Image und ist gut geeignet, dem Konzern einen grünen Anstrich zu verleihen.
Rechnen Sie am Sonntag mit Ärger?
Zunächst einmal rechnen wir mit vielen Teilnehmern auf der Kundgebung von »Stopp Greenwashing« am Hans-Eisert-Platz um 15 Uhr. Bei den Cyclassics hat Vattenfall verstärkte Polizeipräsenz angekündigt.
Wer steht hinter »Stopp Greenwashing«?
Das ist ein Bündnis aus Avanti, Attac, BUND, Klimaplenum, Moorburgtrasse-Stoppen und Robin Wood. Es ist nicht mit der Kampagne »Gegenstrom 10« identisch.
Wie wollen Sie denn die Rennfahrer dazu bringen, auf der Strecke abzusteigen?
Durch rein physische Anwesenheit, nicht etwa durch materielle Blockaden, die einfach auf die Straße geschmissen werden. Jede Gefährdung soll ausgeschlossen werden.
Sie stellen sich selbst hin?
Mehrere Gruppen.
Sie fordern von Vattenfall, als Veranstalter von Cyclassics zurückzutreten. Glauben Sie, dass der Konzern reagieren wird?
Vattenfall wird sich dieses Instrumentarium des Greenwashing nicht aus freien Stücken nehmen lassen. Aber wenn die Cyclassics dieses Jahr massiv gestört werden, gibt es in der Stadt eine Diskussion darüber, ob Vattenfall die Cyclassics weiter veranstalten kann oder darf.
Interview: Antje Stiebitz
Ein Schwede von Welt Anders-Zorn-Schau in Lübeck präsentiert
Zu viele Köche im Wald Kommissionen über Kommissionen und jetzt noch NSU-Untersuchungsausschüsse
Preis: 120,00 €
Preis: 12,99 €
Werbung:
Werbung: