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Von Folke Havekost, Hamburg 19.08.2010 / Inland

Hamburg spart »Sektentante« ein

Renommierter Scientology-Kritikerin Ursula Caberta werden die Mittel gestrichen

Die in Deutschland einmalige Aufklärungsstelle zu Scientology fällt den Sparplänen der Hamburger Innenbehörde zum Opfer.

Hamburgs bundesweite Vorreiterrolle im Kampf gegen Scientology könnte bald ein Ende haben. Die vierköpfige Arbeitsgruppe Scientology (AGS), die zuletzt nur noch über 1,5 Stellen verfügte, wird zum 31. August geschlossen. AGS-Leiterin Ursula Caberta muss ihr Büro in der Admiralitätsstraße räumen, soll allerdings weiter zur umstrittenen Organisation, die sich selbst als Kirche ansieht, arbeiten.

Die streitbare Caberta, die sich gern selbst »Sektentante« nennt, schweigt zu den Plänen der Innenbehörde, dessen Leiter Christoph Ahlhaus (CDU) am nächsten Mittwoch zum Bürgermeister gewählt werden will. Noch im April hatte der Innensenator ein Verbot der »menschenverachtenden Organisation« Scientology gefordert und bedauert, dass »dafür nie eine bundesweite Mehrheit« gefunden worden sei. Hamburg gilt bislang neben Bayern als größte deutsche Bastion der Scientology-Kritiker. 2008 versuchten beide Länder vergeblich, auf der Innenministerkonferenz ein Verbotsverfahren anzuschieben.

Die Hamburger Innenbehörde spricht von einer Umstrukturierung, die Sparzwängen geschuldet sei. Caberta werde als Ministerialreferentin weiterhin Aufklärungsarbeit leisten. »Die Einzelberatung wird fortan ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes übernehmen«, erklärte Sprecher Frank Reschreiter. Mit dem Umzug Cabertas in die Innenbehörde sollen insgesamt 140 000 Euro eingespart werden. Wohin das weltweit einzigartige Archiv der vor 18 Jahren begründeten Arbeitsgruppe umzieht, ist noch unklar.

Die LINKE-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke sieht nach der Entscheidung »freie Fahrt für Scientology«. »Ahlhaus entscheidet, Scientology jubelt«, kritisierte SPD-Innenexperte Andreas Dressel: »Der Psycho-Konzern Scientology hat es nicht geschafft, die AGS und Caberta kleinzukriegen. Jetzt übernimmt das Ahlhaus, der einerseits das Verbot von Scientology fordert und andererseits die bundesweit renommierteste und erfolgreichste Anti-Scientology-Stelle schließt.«

1992 betraute die Hamburgische Bürgerschaft die damalige SPD-Abgeordnete Caberta einstimmig mit dem Aufbau der AGS. Scientology versuchte damals massiv auf dem Hamburger Immobilienmarkt mit dubiosen Wohnungsumwandlungen Fuß zu fassen. Von der AGS herausgegebene Informationsbroschüren wie »Scientology – Irrgarten der Illusionen« brachten der 60-Jährigen rasch den Zorn und rund ein Dutzend Klagen Scientologys ein. »Wenn man sich mit Leuten anlegt, die nicht wollen, dass ihre Aktivitäten an das Licht der Öffentlichkeit gelangen, dann muss man mit Ärger rechnen«, kommentierte die Volkswirtin, die 2001 aus der SPD austrat und nach einer dreijährigen WASG-Mitgliedschaft mittlerweile parteilos ist.

Zuletzt stand die AGS Ende 2009 im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, als sie die europaweite Demonstration der über das Internet organisierten Anonymus-Gruppe ehemaliger Scientology-Mitglieder in Hamburg organisierte. Schon damals unkte Caberta, dass ihre Arbeitsgruppe den Haushaltsplanungen für 2011 zum Opfer fallen könnte – nach 18 möglicherweise zu effizienten Jahren. Zwar habe sich an der Gefährdungslage durch Scientology nichts wesentliches geändert, erklärte der Hamburger Senat auf eine Kleine Anfrage der SPD am 6. August, der »hohe Aufklärungsstand in der Bevölkerung« rechtfertige aber ein Nachdenken über Einsparpotenziale bei der Arbeitsgruppe.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

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  • SW, 24. Aug 2010 21:01

    Es gibt nichts, worauf Ursula Caberta stolz sein könnte!

    Ursula Caberta gehört zu den wenigen staatlichen Angestellten in Deutschland, die es aufgrund ihrer ungehemmten Diskriminierungspolitik gegen religiöse Minderheiten geschafft haben, sogar namentlich im Menschenrechtsbericht der US-Regierung aufzutauchen. Seit 1993 - also nur ein Jahr nachdem Cabertas AGS ihre "Arbeit" aufgenommen hatte - wurde die Bundesrepublik jedes Jahr in Folge (!) in mehr als 50 Menschenrechtsberichten unterschiedlicher internationaler Gremien wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen gegenüber Scientologen und anderer Minderheiten angeprangert. Das ist wohl kaum etwas, auf das man stolz sein dürfte.

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    • Doc, 24. Aug 2010 22:03

      Behauptungen ohne Belege

      nein, nein, verehrte(r) SW, so leicht darf man es sich nicht machen mit der Behauptung von jährlichen und "über 50" Anprangerungen der BRD wegen "Menschenrechtsverletzungen" in Bezug auf die Gehirnwäsche-Sekte "Scientology Church". Die Nennung in den USA erfolgte ausschließlich auf direkte Intervention der Sektenführung hin und ist mit dem dortigen Rechtssystem (das in gleicher Form beispielsweise unkommentierte Rassenhetze, Verherrlichung des Nationalsozialismus und öffentliche Propaganda für einen "heilihen Krieg" der Islamisten gegen die amerikanische "Wertewelt" zulässt und unter Schutz stellt) geschuldet. Derartige Propaganda kann ich hier nicht ohne diesen Hinweis stehen lassen.

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  • JonnyBlue, 19. Aug 2010 14:18

    Längst überfällige Entscheidung

    Man kann getrost festhalten, dass Frau Caberta in den letzten Jahren auch das Augenmaß in ihrer Arbeit verloren hat. Unabhängig von dem Thema Scientology sind ihr alle spirituellen Gruppen ein Dorn im Augen gewesen und sie hat sie Reihum diffamiert. Erst Risse hat die Person Caberta bekommen als sie im Jahre 2000 von einem mittlerweile verstorbenen US-Millionär ein zins- und tilgungsfreies Darlehen von sage und schreibe 75.000 Dollar angenommen hat. Das von der Staatsanwaltschaft Hamburg eingeleitete Strafverfahren wurde nach zwei Jahren gegen eine Geldbusse von 7.500 Euro eingestellt. Im Jahre 2008 musste die Hansestadt zudem Schadensersatz leisten wegen rechtswidriger Äußerungen von Frau Caberta (Az. 1 U 99/03) und im Juni 2008 wurde sogar ein Ordnungsgeld von 5.000 Euro gegen die Arbeitsgruppe Scientology (Az. 9V 53/08) verhängt, weil gerichtliche Anordnungen bewusst missachtet worden sind. Die Arbeitsstelle ist komplett aus dem Ruder gelaufen und jeder andere Amtsträger mit einem anderen Aufgabengebiet wäre schon längst entlassen worden. Insgesamt dürfte die Arbeitsgruppe Scientology dem Steuerzahler über die Jahre mehrere Millionen Euro gekostet haben, was nicht nur Personalkosten betrifft, sondern auch die zahlreichen Gerichtsverfahren, die ihretwegen geführt werden mußten.

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    • Doc, 24. Aug 2010 22:13

      Re: Längst überfällige Entscheidung

      Die Behauptung, "Unabhängig von dem Thema Scientology sind ihr alle spirituellen Gruppen ein Dorn im Augen gewesen und sie hat sie Reihum diffamiert.", entspricht nicht ganz der Wahrheit. Frau Caberta hat sich ausschließlich - und das zugegeben nicht gerade zimperlich - gegen "spirituelle Gruppen" gestellt, die mit (gelinde gesagt) äußerst zweifelhaften Methoden Anhänger, mehr jedoch durch eben diese finanzielle Mittel zu gewinnen suchten. Nicht wenige Propagandisten, Führungskräfte und Agitatoren dieser Gruppen schreckten dabei vor Drohungen, psychologischer Einflussnahme und rücksichtsloser Bedrängung zurück.
      Dass Caberta und ihre Leute auch Fehler machten, steht außer Zweifel. Womöglich ist eine "Neuordnung" der AGS sogar der richtige Weg, Verkrustungen aufzubrechen. Nur sollte man in Hamburg dabei nicht "das Kind mit dem Bade ausschütten". Denn: Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang. Und wer kann schon genau wissen, hinter welchem Caberta-Kritiker sich nicht auch noch ein heimlicher Scientologe, Hassprediger, Gehirnwäscher oder sonstwas verbirgt. Sicher sein kann man sich da ja nie.

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