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Von Dieter Hanisch, Bad Bramstedt 21.08.2010 / Inland

Knochenjob für wenig Geld

NGG begann Tarifverhandlungen in Schlachthöfen

In Schleswig-Holstein begannen am Freitag Tarifverhandlungen bei einem der europaweit größten Schlachthofbetreiber. Die Branche ist von Knochenarbeit und Niedriglohn geprägt.

Die Anstellung auf dem Schlachthof ist verbunden mit körperlich harter Arbeit und bringt für die Beschäftigten allerhöchste Belastungen mit sich. Einen Flächentarif gibt es in der Branche nicht, so dass die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) immer nur Haustarife aushandeln kann. Mit Vion Food, einem der europaweit größten Schlachtkonzerne, begannen am Freitag in Bad Bramstedt Gespräche für dessen acht Standorte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

US-Autor Upton Sinclair beschrieb vor über 100 Jahren in seinem Romanklassiker »Der Dschungel« die Arbeit auf dem Schlachthof als wahre »Knochenmühle«: »Blickte man den Saal hinunter, sah man eine 100 Meter lange Reihe hängender Tierleiber, die sich langsam vorwärts bewegte, und alle Meter gab es einen Mann, der werkte, als hetze ihn ein Teufel.« Trotz Automatisierung vieler Arbeitsvorgänge hat sich das kaum verändert. Die Ergebnisse in den letzten Lohnrunden im Bereich von 2,5 Prozent fielen mehr als bescheiden aus. Nun soll Schluss mit der Zurückhaltung sein. Die NGG fordert für die rund 1500 Beschäftigten Gehaltserhöhungen von 4,5 Prozent oder mindestens 65 Euro. Die laufende Tarifvereinbarung endet am 30. September. Sollte die Arbeitgeberseite sich uneinsichtig zeigen, schließt NGG-Verhandlungsführer Bernd Maiweg auch Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus.

Unabhängig von den aktuellen Gesprächen fordert die NGG für die gesamte Branche einen gesetzlichen Mindestlohn. Hintergrund sind die zuletzt immens angestiegenen Zahlen an Werksvertragsbeschäftigten, die überwiegend aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien oder Bulgarien kommen und die Lohnkosten der Schlachthofbetreiber niedrig halten. Längst ist Deutschland in diesem Bereich in den Ruf gekommen, Billiglohnland zu sein, auf das die Berufskollegen im benachbarten Dänemark, Frankreich oder Belgien mit Argwohn schauen. Immer mehr Schlachtaufträge wandern zu Subunternehmern über die Grenze nach Deutschland. Dubiose Stücklohnverträge stellen dabei noch einmal eine besondere Form von Dumping dar. Der stellvertretende NGG-Vize Claus-Harald Güster sagt dieser Entwicklung nun den Kampf an: »Die Zeit der Dumpinglöhne in der Schlachtindustrie muss ein Ende haben.« Vor der Sommerpause beschäftigte sich der Wirtschaftsförderausschuss des niedersächsischen Landtages mit dem Thema, weil es in Oldenburg gleich hundertfach zu Billiglohnpraktiken gekommen ist. Maiweg, NGG-Referatsleiter im Bereich Fleischwirtschaft, fügt hinzu: »Das Problem wird sich mit der zum 1. Mai nächsten Jahres in Kraft tretenden EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit sogar noch weiter verschärfen.«

Verhandlungsverlauf oder -ergebnisse waren zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

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