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Von Andreas Fritsche
21.08.2010

Ein Kommunist als Namenspatron

LINKE beantragte Benennung einer Straße in Potsdam nach dem Widerstandkämpfer Otto Wiesner

Die Linksfraktion in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung beantragte, eine Straße nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer Otto Wiesner zu benennen.

»Er war ein so angenehmer und bescheidener Mensch«, erinnert sich Potsdams Linksfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg an den antifaschistischen Widerstandskämpfer Otto Wiesner. Die LINKE beantragte in der Stadtverordnetenversammlung, eine Straße nach Wiesner zu benennen. Die Anregung, einer Straße oder einem Platz den Namen des Kommunisten zu geben, kam von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) und vom Humanistischen Verband.

Die nächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung gibt es am 1. September. Scharfenberg hofft, dass der Antrag bis dahin zu einem »fraktionsübergreifenden« wird. Zunächst geht es um einen grundsätzlichen Beschluss. Eine konkrete Straße, die Otto-Wiesner-Straße heißen könnte, hat man noch nicht im Auge.

Otto Wiesner trat 1928 dem Kommunistischen Jugendverband und wenig später auch der KPD bei. 1934 wurde er verhaftet und wegen »Hochverrats« zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Am letzten Tag seiner Haft wurde er nicht etwa entlassen, sondern am 6. Dezember »als Nikolausgeschenk mit 24 anderen Leidensgenossen ins Lager Sachsenhausen hineingeprügelt«, wie er selbst berichtet hat. Im KZ Sachsenhausen war der Antifaschist in der Schreibstube eingesetzt und unterstützte von dort aus die illegale Lagerorganisation. »Ohne die Solidarität der Lagergemeinschaft hätte ich nicht überlebt«, schilderte er. Gleichzeitig bemühte sich Wiesner, anderen zu helfen. Er versuchte, die Verteilung der Essensrationen so zu organisieren, dass die Schwachen mehr bekamen, als ihnen von der SS zugedacht war.

1945 erlebte Wiesner seine Befreiung aus dem KZ Mauthausen. Er gehörte zu den Abgeordneten des ersten brandenburgischen Landtags nach dem Zweiten Weltkrieg und war auch FDJ-Landesvorsitzender.

Später strebte Wiesner keine besonderen politischen Funktionen mehr an, sagt Linksfraktionschef Scharfenberg. Bis in die 60er Jahre leitete er die Gedenkstätte zum Potsdamer Abkommen im Schloss Cecilienhof. Dann verlegte er sich auf eine Tätigkeit als Schriftsteller, verfasste Gedichte, Erzählungen und Erinnerungen, außerdem Aphorismen und Anekdoten, auch Kinderbücher und Texte für Kinderlieder. Die Aufklärung über die Verbrechen des Naziregimes machte er zu seiner Lebensaufgabe. Fast bis zuletzt besuchte er Schulen, trat dort und anderswo als Zeitzeuge auf.

»Er war ein guter Mensch«, betont Marcus Pilarski von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Bei Führungen in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen habe Wiesner den Bock gezeigt, auf dem er geschlagen wurde. Der einst Gefolterte sei jedoch absolut nicht verbittert, sondern ein ausgesprochen fröhlicher Mensch gewesen.

Seit 1945 lebte der in Hamborn am Rhein als Sohn eines Bergarbeiters geborene Otto Wiesner in Potsdam. Bis zu seinem Tod im Jahr 2006 gehörte er der Linkspartei an. Kürzlich wäre er 100 Jahre alt geworden. Er starb in Potsdam und liegt dort begraben. Zu seinem 95. Geburtstag hatte ihm Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) noch persönlich gratuliert und dabei gesagt: »Was kann nachhaltiger wirken als die Erzählungen eines Überlebenden«. Der Ministerpräsident fügte hinzu, er bewundere Otto Wiesner für seine Furchtlosigkeit gegenüber den Nazis und empfinde allergrößten Respekt vor seinem Widerstand. 2005 wurde der KZ-Überlebende mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Potsdam geehrt.

Es läuft aktuell eine Umfrage der Tageszeitung »Potsdamer Neueste Nachrichten«, ob der Vorschlag eines Otto-Wiesner-Platzes geprüft werden sollte. Nach derzeitigem Stand sagen 54 Prozent der Leser »ja«.

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