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Fragwürdig

Brände in verstrahlten Wäldern?

Der russische Umweltschützer Vladimir Slivjak besuchte die Region Brjansk / Slivjak ist Vizevorsitzender der russischen Umweltorganisation Ecodefense

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ND: Mitte dieser Woche besuchten drei russische Umweltschützer von Ecodefense und von Greenpeace auf Einladung des Katastrophenschutzministeriums das Gebiet um die Stadt Brjansk, das als Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren noch immer stark verstrahlt ist. Warum machte sich das Ministerium diese Mühe, Sie dorthinzufliegen?
Slivjak: Umweltschützer wiesen sofort nach Bekanntwerden von Bränden im Gebiet Brjansk auf die großen Gefahren hin, die Brände in verstrahlten Wäldern für weitere Gebiete Russlands bedeuten können. Wir widersprachen der offiziellen Version, es gebe keinen Grund zur Besorgnis. Der Konflikt war eskaliert, als auf Druck des Katastrophenschutzministeriums die Waldschutzbehörde ihre Internetseite schließen musste, auf der detaillierte Angaben über Brände im Gebiet Brjansk veröffentlicht worden waren. Wir machten diesen Fall von »Zensur« öffentlich, woraufhin Minister Sergej Schojgu uns anbot, uns vor Ort zu überzeugen, dass man die Lage im Griff habe.

Wie verlief die Reise?
Uns erwartete ein großes Aufgebot: etwa der Vizegouverneur sowie örtliche Vertreter des Katastrophenschutzministeriums und des Hydrometeorologischen Dienstes. Bei allen Gesprächen bestand Konsens: Wenn ein verstrahlter Wald brennt, wird die Radioaktivität weitergetragen.

Brennt es in der Region noch?
Das Ministerium behauptet, es habe dort im August nicht mehr gebrannt. Aufnahmen aus dem Kosmos belegen jedoch das Gegenteil. Und als wir Brjansk anflogen, sahen wir an einer Stelle Rauch aus dem Wald aufsteigen. Dieser Brand befand sich nicht in einem verstrahlten Gebiet und war nach wenigen Stunden wieder gelöscht. Die Verwaltungschefs der verschiedenen Rayone berichteten, vor Ort habe es glücklicherweise keine größeren Brände gegeben. Die Brjansker Abgeordnete Ludmilla Komogorzewa, die sich seit 20 Jahren intensiv mit der radioaktiven Belastung in ihrer Heimat beschäftigt, berichtete aber von Bränden in verstrahlen Gebieten. Unsere Bitte, diese Punkte anzufliegen, wurde abgelehnt. Man sei in Eile ...

Wie wird vor Ort die Radioaktivität gemessen?
Nur die Gamma-Strahlung in Bodennähe wird gemessen. Zur Messung von Alpha- und Beta-Strahlung – dies ist bei durch Rauch verursachten Aerosolen, die durch den Wind in andere Regionen getragen werden, entscheidend – fehlt die Ausrüstung. Auf meine Frage, ob es gefährlich sei, wenn eines dieser heißen Teilchen in der Luft mit Alpha- oder Beta-Strahlung in die Lunge gelange, konnte mir niemand von den Spezialisten eine Antwort geben. Ein Physiker des Ministeriums meinte gar, Alpha- und Beta-Strahlung sei gar nicht gefährlich. Angeblich wurde aber doch einmal die Aerosol-Belastung gemessen, zwischen dem 13. und 15. August. Doch warum erst dann, wenn sich die Brände nach Angaben des Ministeriums vor allem im Juli ereignet hatten?

Und Ihre Schlussfolgerungen?
Insgesamt ist das Gebiet Brjansk von großen Bränden weitgehend verschont geblieben. Es lässt sich aber nicht ausschließen, dass verstrahlte Wälder gebrannt haben und radioaktive Aerosole weit in andere Gebiete Russlands getragen worden sind. Die Aussage des Katastrophenschutzministeriums, es sei keine Radioaktivität durch Brände um Brjansk freigesetzt worden, ist unverantwortlich. Nach Angaben der Abgeordneten Komogorzewa sind eine Million Kubikmeter Wald im Gebiet Brjansk verstrahlt. Und die Behörden müssen wirklich alles in ihren Kräften Stehende tun, um zu verhindern, dass diese Wälder jemals brennen.

Fragen: Bernhard Clasen

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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