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Von Niema Movassat 21.08.2010 / Kolumne
Gastkolumne

Auf Kriegskurs gegen Iran

Der Autor, 1984 in Wuppertal geboren und iranischer Herkunft, is
Der Autor, 1984 in Wuppertal geboren und iranischer Herkunft, ist Bundestagsabgeordneter der LINKEN.

Heute wird der Druckwasserreaktor in Buschehr in Betrieb genommen – in einer Zeit zunehmenden Sanktionsdrucks und wiederholter Kriegsdrohungen gegen Iran. Dabei ist dieses Atomkraftwerk selbst kein Stein des Anstoßes, wie auch die USA versichern. Der Westen toleriert trotz seiner Ablehnung des iranischen Nuklearprogramms diesen Reaktor, weil Russland das nukleare Material kontrolliert und sich bisher im Sanktionswettlauf gegen Iran dem Westen gegenüber loyal zeigt.

Dennoch ist die Inbetriebnahme ein willkommener Anlass, den Konflikt zu verschärfen. Israel fordert die USA auf, Bereitschaft zu einem Luftangriff – also zu einem Krieg – gegen Iran zu zeigen. Damit setzt die israelische Regierung um Premier Netanjahu auf eine Eskalation der Lage im Nahen und Mittleren Osten und erweist sich als gefährlicher Brandstifter. Das gefährdet die ohnehin fragile Stabilität der Region zusätzlich.

Bedrohlich muss Iran vor allem die militärische Einkreisung erscheinen: US-Truppen stehen in Irak, Afghanistan und im Persischem Golf. Auch Saudi-Arabien rüstet mit US-Unterstützung gegen Teheran auf. Dagegen hat Iran unter den Nachbarstaaten keine Verbündeten.

US-Präsident Obama hat die Kriegsoption gegen Iran nicht ausgeschlossen – er will sich die Türen für eine strategische Neuordnung der Region offen halten. Schließlich verfügt Iran über die zweitgrößten Erdölreserven der Welt und hat eine entscheidende geostrategische Position zwischen Irak, Afghanistan, Pakistan und dem Persischem Golf.

So bleibt Teheran nur die verbale Offensive. Irans Staatschef Ahmadinedschad hat als Reaktion auf die Sanktionen die Verhandlungen über sein Atomprogramm bis September ausgesetzt. Und Iran hat erklärt, an der Anreicherung von 20-prozentigem Uran festzuhalten – was nötig für Brennelemente in einem Reaktor in Teheran ist – sowie eine dritte Urananreicherungsanlage bauen zu wollen. Wobei dies, bei aller umweltpolitischen Ablehnung der Atomenergie, aus völkerrechtlicher Sicht unproblematisch ist – wie auch das sonst bekannte Atomprogramm. Denn nach dem Atomwaffensperrvertrag, den Iran unterschrieben hat, ist die friedliche Nutzung der Atomenergie einschließlich Urananreicherung erlaubt.

Überprüfbare Beweise dafür, dass Iran den Bau einer Atombombe anstrebt, hat der Westen der Weltöffentlichkeit bisher nicht vorgelegt. Dagegen verletzten die USA und andere Atommächte systematisch ihre Pflicht zur atomaren Abrüstung, die sich aus dem Sperrvertrag ergibt. Allenfalls dieses Verhalten ist völkerrechtswidrig zu nennen.

Für die Sanktionen gibt es letztlich keine Rechtfertigung. Die Europäische Union ist mit ihrer eigenmächtigen Verschärfung des Sanktionsregimes ohne Not auf den fatalen US-Konfrontationskurs eingeschwenkt, anstatt eine Vermittlerrolle einzunehmen. Diese haben derzeit nur die Türkei und Brasilien inne: Sie hatten einen für Iran zustimmungsfähigen Lösungsvorschlag erarbeitet, der mit den Forderungen des Westens aus dem letzten Jahr nahezu übereinstimmte. Davon wollen die USA und die EU aber heute nichts mehr hören. Sie wollen anscheinend den Krieg. Damit setzen sie die Stabilität der Region aufs Spiel.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • fariborsm, 21. Aug 2010 09:09

    auf-kriegskurs-gegen-iran

    Israel fordert die USA auf, Bereitschaft zu einem Luftangriff – also zu einem Krieg – gegen Iran zu zeigen. DIE USA SAGEN NEIN BITTE SIE ZUERST. Und wir hören hier von Niemanden ein die Realität wiedergebendes Wort.

    • Permalink

  • Ramstein, 21. Aug 2010 17:56

    Ungestörte Vorbereitungen auch in D

    Jeder der Krieg führen will, braucht mindestens 2 Jahre Vorlaufzeit, allein für Propaganda und Logistik. Nachdem die USA schon ihre offenen Angriffs-Kriege gegen Afghanistan, den Irak und ihre verdeckten Kriege gegen Pakistan, den Jemen, Somalia u.a. von den zahlreichen US-Basen in Deutschland aus führen, wird auch der Krieg gegen den Iran schon seit mindestens 2 Jahren hier vorbereitet. HIER ist nicht irgendwo- HIER ist vornehmlich in Rheinland-Pfalz, in Hessen, Beden-Württemberg und Bayern. HIER ist u.a. die US-Air Base Ramstein( Logistik-Drehscheibe und Befehls-Zentrum), die US-Air-Base Spangdahlem ( Kamp-Jets und Transporter), die US-Base Ansbach ( Kampf-Hubschrauber), die US-Brigade in Baumholder, die Befehlszentren in Ramstein, Heidelberg, Wiesbaden, Stuttgart, Villingen-Schwenningen, die US-Truppen-Übungsplätze Grafenwöhr, Vilseck, und weitere 100derte US-Militär-Einrichtungen in Deutschland. Wo sind die LINKEN-Abgeordneten, die endlich dagegen einschreiten??? Wie lange wollen LINKE-Abgeordnete noch zulassen, dass die US-Militärs in aller Seelenruhe und vom deutschen Ministerial- und Beamten-Apparat geschützt und unterstützt, den nächsten Angriffs-Krieg auch von Deutschland aus führen??? Wie lange wollen LINKE-Abgeordnete ihren Wählern und solchen, die es werden sollen, eigentlich noch einreden, die LINKE sei eine Partei des Friedens??? Welchen Frieden meint die LINKE denn? Den Frieden, den die LINKE offensichtlich mit den US-Basen in Deutschland geschlossen hat?
    Wer die US-Militärs in unserem Land weiter schalten und walten läßt wie die es wollen, der ist nicht nur für die Kriegsverbrechen und die Millionen Toten, Verwundeten, und Flüchtlingen im Irak und am Hindukusch mitverantwortlich. Wer die US-Militärs auf ihren Basen in Deutschland unangetastet läßt, der ist auch für die Zuspitzung der Kriegsvorbereitungen gegen den Iran mitverantwortlich. Da hilft auch kein besorgtes Schön-Sprech! Tut endlich was!!!!!!!

    • Permalink

  • raddampfer, 22. Aug 2010 04:55

    Iran

    Der Iran ist längst eine Angelegenheit seiner Nachbarn geworden.Lex China
    funktioniert bereits..Die Aufregung in TeL Aviv ist Theaterdonner für die eigne Klientel..Niemand wird den Iran angreifen ..und so ist es richtig.

    • Permalink

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