Von Knut Henkel
07.09.2010

Angst um die Banane

Bauern im Norden Perus fürchten die Ansiedlung von Bergbauunternehmen

Im Norden Perus befindet sich die derzeit größte Anbauregion von Biobananen. Rund um die Stadt Piura werden die gelben Früchte von Kleinbauern angebaut und geerntet. Doch die Bauern fürchten um die langfristigen Perspektiven. Wasser ist knapp und viele Bauern haben Bedenken, dass die Ansiedlung von Bergbauunternehmen die Kontaminierung des kostbaren Nass nach sich ziehen könnte.
Biobananen aus Peru erfreuen sich in den USA und Europa immer gr
Biobananen aus Peru erfreuen sich in den USA und Europa immer größerer Beliebtheit.

Die Pappkartons mit dem Aufdruck »Cepibo Organic Bananas« stehen schon ausgeklappt auf einem geräumigen Verpackungstisch. Dort soll die grüne Ware gleich verschwinden. 18 Kilogramm Bio-Bananen aus Peru sind in jedem der Kartons verstaut, die bereits im Schatten neben der kleinen Verpackungsstation stehen. Gerardo Peña zieht gerade die nächsten Büschel aus der Plantage hinter sich her. Die rund um einen stabilen Stängel stehenden Bananenhände werden von dem Team aus fünf Arbeitern und dem Vorarbeiter José Juares Carasco gleich fachmännisch abgetrennt und ins Wasserbad verfrachtet. Da schwimmen schon etliche der grünen Bananenhände von je fünf bis sechs Früchten und warten auf die nächsten Arbeitsschritte.

»Auf dem Laufband trocknen die Früchte und werden dann akribisch nach Fehlern untersucht, denn Bananen mit Druckstellen oder Flecken gehen nicht in den Export«, erklärt Gerardo Peña schulterzuckend. Er tut alles, um möglichst viele seiner Früchte auf den Weg nach Übersee zu bringen. So hat er zwischen die einzelnen Bananenhände Zeitungen gestopft, damit es keine Druckstellen gibt. »Ich bin auf jeden Dollar angewiesen, den ich mit meinen Bananen erwirtschaften kann«, sagt Peña, ein Kleinbauer von 35 Jahren, der einer kleinen Kooperative angehört.

Das Gros der Kleinbauern der Region von Sullana, einer Kleinstadt im Norden Perus nahe Piura, hat sich zusammengeschlossen, um gemeinsam mit ihrem Produkt auf den Weltmarkt zu kommen. Erfolgreich, wie sich Donald Lecarnaque Castro freut. Er ist der Präsident des Dachverbandes der Bio-Bananenbauern aus der Region von Piura – kurz Cepibo. »Die Region von Piura ist mittlerweile das größte Anbaugebiet von Biobananen weltweit und wir wachsen«, sagt der Mann von Anfang vierzig.

Auf mehr als fünftausend Hektar wird produziert und das Gros der Produktion erwirtschaften Kleinbauern wie Gerardo Peña. Der hat gerade 0,91 Hektar Fläche und würde liebend gern die Produktion ausweiten, um seinen Kindern mehr bieten zu können. »Vier Dollar und zwanzig Cent erhalte ich pro Kiste«, erklärt er. Das ist deutlich mehr als die zwei Dollar, die es für die herkömmliche Ware gibt.

Bis zu vierzehn Container der grünen Bioware exportiert Cepibo pro Woche. Doch der Dachverband, dem vierzehn Genossenschaften angehören, ist nur einer von mehreren.

Insgesamt beläuft sich der Export aus Perus Bio-Bananenregion derzeit auf rund achtzig Container. Die gehen sowohl in die USA als auch nach Europa: Die Nachfrage nach der schmackhaften Ware aus Peru steigt stetig. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die Bauern in der relativ trockenen Anbauregion im Norden Perus kaum mit Schädlingen wie Pilzen zu tun haben. »Dazu ist die Luftfeuchtigkeit nicht hoch genug«, erklärt Donald Lecarnaque Castro. Das ist ein großer Vorteil in der ariden Region, die von Trockenwäldern umgeben ist.

Das Wasser für die Bananenplantagen der Genossenschaften in der Region wird über ein Bewässerungssystem herangeschafft und wichtigste Wasserquelle sind die Flüsse – vor allen der Río Chira und der Río Piura. Die entspringen in den höher gelegenen Bergregionen mit den einzigartigen Nebelwäldern von Huancabamba oder Ayabaca und versorgen die trockenen Regionen rund um Piura, wo nicht nur Bananen, sondern auch Mangos und Limonen angebaut werden. »Das sind wichtige Exportprodukte wovon mindestens 20 000 Bauern leben«, erklärt der Präsident des regionalen Wasserrats von Chira und Sullana, Walter Panga Lima Alvárez. »Wir haben ohnehin schon Probleme mit der Verteilung, denn das wichtigste Staubecken hat aufgrund der Sedimente aus dem Fluss nur noch wenig mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Kapazität. Das bedeutet, dass Wasser zunehmend knapp wird.« Eine Tatsache, die den Bauernvertretern Sorgen macht. Hinzu kommt jedoch noch ein anderer Faktor – der Bergbau. »Die Regierung würde oben in den Bergen nahe Huancabamba gern Kupfer abbauen, Investoren sind interessiert. Doch wir hier unten haben Angst, dass der Bergbau uns das Wasser abgräbt. Wir befürchten, dass weniger Wasser ankommt und dass es belastet sein könnte mit Schwermetallen«, erklärt Donald Lecarnaque Castro. Er ist heute beim Wasserrat von Chira und Sullana vorbeigekommen, um die Möglichkeiten des Ausbaus der Produktion in der Region von Sullana auszuloten.

Bauern wie Gerardo Peña würden ihre Produktion nur zu gern vergrößern. Ein halber Hektar schwebt ihm vor, aber dazu muss mehr Wasser zugeteilt werden. Vor dem Dilemma stehen auch andere Genossenschaften, die ihren Mitgliedern längst einen rationellen Umgang mit dem kostbarem Nass beigebracht haben. Neue Bewässerungstechniken machen es möglich und so konnten in den letzten Jahren die Anbauflächen für Biobananen, Mangos, aber auch für Biokaffee in den höheren Regionen erweitert werden.

Diese Erfolge wollen sich die Bauern nicht mehr nehmen lassen und das ist ein zentraler Grund, weshalb der Widerstand gegen den Bergbau in Piura schon Tradition hat. Parolen wie »Landwirtschaft ja, Bergbau nein« finden sich in vielen Dörfern rund um Sullana. Die Zustimmung von Gerardo Peña ist ihnen sicher.

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