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Hinter dieser Fassade verbirgt sich eine kapitalismusfreie Zone: Wohnprojekt in der Liebigstraße.
Foto: Tim Zülch
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Besetzungen in breiten Kreisen bekannt zu machen, das ist das Anliegen des heute beginnenden Intersquat-Festivals. Bis kommenden Samstag werden täglich mehrere hundert Leute erwartet, die sich auf vielfältige Art und Weise mit dem Thema Besetzungen beschäftigen werden. Es wird Workshops, Demonstrationen, Performances und Diskussionsrunden geben. Dabei sind unter anderem AktivistInnen aus Frankreich, Italien und aus den USA.
Behindert wurden die Vorbereitungen durch den Streit um ein Campgelände, das als Festival-Basis dienen soll. Während der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), Kooperation zugesagt hatte und öffentliches Gelände über den Liegenschaftsfonds anbot, wurde die Vergabe eines Grundstücks schließlich vom Senat verhindert.
»Das Landeskriminalamt hatte einen Sicherheitscheck gemacht. Danach wurde alles Behördenhandeln zugunsten des Intersquat unterbunden«, berichtet Kristin Cornelsen vom Vorbereitungskollektiv. Nachdem die Unterzeichnung eines Mietvertrags mit einem Privateigentümer gestern ebenfalls scheiterte, stehen die OrganisatorInnen nun ohne Campgelände da. Die Bedenken des Landeskriminalamts hinsichtlich der Gewaltbereitschaft seien, so die VeranstalterInnen, völlig übertrieben. »Die Militanz geht meist von der Polizei aus. Es muss keiner Angst haben, auf die Demos zu kommen. Wir solidarisieren uns mit allen Formen des Widerstands. Wenn es genug Menschen gibt, die mitmachen und das Fass überschwappt, dann weiß eh keiner mehr, was passiert«, sagt Kristin Cornelsen und führt als Beispiel die Proteste gegen das Bauprojekt Stuttgart 21 an.
Die Idee des Intersquat kommt ursprünglich aus Frankreich. Vor vier Jahren fand dort das erste Intersquat-Camp statt. Im Unterschied zu hier, wo sich die Verbindungen seit Beginn der 90er Jahre abgeschwächt haben, ist dort jedoch die kulturelle Szene stärker mit der Besetzerbewegung verwoben. Künstlerinnen und Künstler beziehen beispielsweise in Paris leerstehende Gebäude, um darin Ateliers oder Werkstätten zu etablieren. Daran will das Berliner Intersquat-Festival nun anknüpfen und ruft vor allem Kulturschaffende in Berlin zur Teilnahme auf.
Denn auch in Berlin gebe es großes Unzufriedenheitspotenzial, so Cornelsen. Sehr viele Menschen seien von Mieterhöhungen, Gentrifizierung und Zwangsumzügen betroffen. Auf diese Probleme hätten die Politiker keine Antworten und würden sich mit dem Verweis auf Privateigentum aus der Verantwortung stehlen. Einen Ausweg sieht Cornelsen dagegen in Besetzungen: »Ich glaube, dass wir eine neue Hausbesetzer-Phase kriegen.«
Während des Intersquat soll auch auf die prekäre Situation einiger Berliner Hausprojekte aufmerksam gemacht werden. Momentan sind vor allem die Liebigstraße 14 in Friedrichshain und der Linienhof in Mitte bedroht.
Für heute Nachmittag steht die erste Großdemonstration auf dem Programm. Um 18 Uhr wird gegen die o2-Arena demonstriert. Am Samstag findet dann die »Freiheit statt Angst«-Demonstration am Potsdamer Platz statt. Es wird Workshops geben zu allem, was mit Besetzungen zu tun hat: Das »Öffnen von Schlössern«, »Selbstverteidigung«, »Schweißen, Hämmern, Schrauben«, doch auch theoretische Vorträge und Diskussionen stehen auf dem Programm. Die Veranstalter wollen allerdings nur den Rahmen bereitstellen. Mit Inhalten gefüllt wird das Festival von den Besuchern. »Wer sehen will, wie ein Leben ohne Kapitalismus aussieht, sollte aufs Camp kommen«, sagt Kristin Cornelsen im Hinblick auf die basisdemokratische Struktur des Festivals. Na dann, auf die Plätze, besetzen, los.
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