Udo Bartsch
11.09.2010
Kurzweil

Kinderspiel

Sterneköche in der Puppenstube

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Wie war das noch: Spielen ist eine ernste Sache, vorrangig geeignet für Rechner und Strategen? »A la carte« beweist fröhlich das Gegenteil. Es wird gestöhnt, gelacht, gelitten und – gekocht. Unsere Arbeitsmittel sind ein Pappherd mit Drehregler und eine Pfanne aus der Puppenküche. Die Rezepte heißen »Kaffeewasser nach Art des Meisters« oder »Elefantenrüssel an Blattspinat«, und erfordern sowohl eine Mindesttemperatur als auch eine vorgeschriebene Würzung.

Eine der möglichen Spieleraktionen ist Heizen. Über den Erfolg entscheidet ein Würfelwurf. Mal tut sich überhaupt nichts, mal springt die Herdflamme gleich um drei Stufen höher. Ist das Gericht noch nicht verbrannt, kommt jetzt das Würzen. Kleine Döschen mit fingergroßer Öffnung werden so über die Pfanne gestülpt, dass einer oder zwei der farbigen Gewürzsteine dabei herausfallen. Aber bloß nicht mehr. Sonst ist das Essen verwürzt.

Ein weiteres Experimentierfeld ist die Zubereitung des Crêpes. Das runde Pappplättchen muss nur einmal kurz durch die Luft geschleudert, dabei gewendet und mit der Pfanne wieder aufgefangen werden. Wegen der attraktiven Punktebelohnung lässt kaum ein Koch diese Darbietung aus.

Thematisch und atmosphärisch perfekt umgesetzt zeigt »A la carte», was das Medium Spiel jenseits des Üblichen auch noch kann. Selbst wenn sich der Überraschungseffekt verbraucht: Um schnell eine Runde gute Laune zu tanken, eignet sich »A la carte« immer wieder.

»A la carte« von Karl-Heinz Schmiel, Heidelberger Spieleverlag, für zwei bis vier Spieler ab 8 Jahre, ca. 30 Euro.

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