Von Ulli Brünger, dpa
14.09.2010

Neue Bühne, neuer Start

Schalke-Trainer Magath sieht den Champions-League-Auftakt in Lyon als Chance zur Wende

Angeknackstes Selbstbewusstsein, mangelndes Spielverständnis, fehlendes Personal – vor der Rückkehr auf die große Champions-League-Bühne nach mehr als zwei Jahren türmen sich beim FC Schalke 04 die Probleme auf. Trainer Felix Magath aber begreift das heutige Auftaktmatch bei Olympique Lyon nach dem Bundesliga-Fehlstart als Chance zur Wende für sein mit 35 Millionen Euro runderneuertes Ensemble. »Ich sehe gute Aussichten, mit einer couragierten Leistung in Lyon was mitzunehmen«, sagte Magath. Die wachsende Kritik an seiner Personalpolitik und den schwachen Auftritten der Elf wies Magath zurück. »Dass nach drei Niederlagen Kritik kommt, ist normal. Damit müssen wir fertig werden und dürfen uns nicht verunsichern lassen. Aber was jetzt wieder gemacht wird, ist keine sachliche Auseinandersetzung mit der Situation, sondern reine Stimmungsmache«, meinte der 57-Jährige.

Er könne den vermasselten Saisonauftakt »wirklich nicht schönreden«, räumte er ein. »Aber jetzt zu sagen, der Umbruch sei nicht nötig, ist verkehrt. Und dann noch zu behaupten, der Umbruch sei nicht erfolgreich – das kann man doch nicht an drei Spielen messen.« Auch Bayern München habe im letzten Jahr einen großen Schnitt vollzogen, »80, 90 Millionen investiert und in den ersten Wochen Probleme unter Trainer Louis van Gaal gehabt«, betonte der Schalke-Coach. »Es gibt überhaupt keinen Grund, schon jetzt in Panik zu verfallen. Ich sehe keinen Anlass zur Sorge.«

Wenn die jüngsten Neuzugänge Klaas-Jan Huntelaar, José Manuel Jurado und Nicolas Plestan integriert seien und die Elf sich eingespielt habe, rechnet Magath mit einer klaren Steigerung. »Es wird sich alles verbessern in den nächsten Tagen. Dann erwarte ich auch bessere Resultate.«

14-Millionen-Mann Huntelaar zeigte sich am Montag vor dem Abflug nach Südfrankreich optimistisch: »Wir freuen uns auf die Champions League. Das ist ein neuer Start für uns.« Der Ausfall des formschwachen Abwehrspielers Christoph Metzelder, der die Reise wegen Leistenbeschwerden nicht mitmachte, zwingt Magath nach dem 0:2 in Hoffenheim erneut zum Umbau. Junmin Hao, Christoph Moritz oder Hans Sarpei sollen stattdessen rechts verteidigen. »Dann könnte Lukas Schmitz nach links rücken«, verriet Magath. Zudem dürfte Jefferson Farfan wieder in die Startelf rücken.

Der Trainer nahm die erfahrenen Profis wie Raúl, der 132 Europapokalspiele (66 Tore) bestritt, und Huntelaar in die Pflicht. »Sie müssen vorangehen. Aber auch die jungen Spieler freuen sich auf die Champions League. Ich bin sicher, dass sie einen guten Auftritt hinlegen. Für was es dann reicht, weiß man natürlich nicht.«

Da auch der siebenmalige französische Meister mit fünf Punkten aus fünf Spielen schwach in die Saison gestartet ist und beim 1:1 gegen den FC Valenciennes am Samstag enttäuschte, treffen zwei Krisenklubs aufeinander. Magath schob der Elf von Trainer Claude Puel dennoch die Favoritenrolle zu. »Im letzten Jahr sind sie erst im Halbfinale an den Bayern gescheitert. Das zeigt ihre Klasse. Und sie sind seit Jahren fester Bestandteil der Champions League. Von daher haben sie uns etwas an Erfahrung voraus. Aber das allein wird nicht reichen.«


Champions League - Heute 20.45

Gruppe A: Twente Enschede - Inter Mailand, Werder Bremen - Tottenham Hotspur.
Gruppe B: Olympique Lyon - Schalke 04, Benfica Lissabon - Hapoel Tel Aviv.
Gruppe C: Manchester United - Glasgow Rangers, Bursaspor - FC Valencia.
Gruppe D: FC Barcelona - Panathinaikos Athen, FC Kopenhagen - Rubin Kasan.

Mittwoch, 20.45

Gruppe E: FC Bayern München - AS Rom, CFR Clui - FC Basel.
Gruppe F: Olympique Marseille - Spartak Moskau, MSK Zilina - FC Chelsea.
Gruppe G: Real Madrid - Ajax Amsterdam, AC Mailand - AJ Auxerre.
Gruppe H: FC Arsenal - Sporting Braga, Schachtjor Donezk - Partizan Belgrad.