Protest 2009: Kreuze flogen in die Spree.
Foto: Matthias Zickrow
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Mit tausend großen weißen Kreuzen wollen Abtreibungsgegner an diesem Samstag schweigend durch die Berliner Innenstadt marschieren. Ein Bündnis aus feministischen und antifaschistischen Gruppen will die Veranstaltung des »Bundesverband Lebensrecht« (BVL) nicht hinnehmen und dagegen protestieren. Während der BVL unter dem Motto »Ja zum Leben – für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie!« zu dem bislang sechsten Trauermarsch mobilisiert, ruft das linke Bündnis mit »1000 Kreuze in die Spree« seinerseits zu »lautem und vielfältigem Widerstand« auf. Unter anderem ist eine Gegenkundgebung ab 12.30 Uhr am Neptunbrunnen in Berlin-Mitte angemeldet.
Zu der BVL-Demonstration werden Teilnehmer aus ganz Deutschland und auch einige aus Österreich erwartet. Obwohl die Szene der sogenannten Lebensschützer gut vernetzt ist, gelang es ihnen bisher nur selten, alle mitgebrachten 1000 Kreuze an den Mann oder die Frau zu bringen.
Auch nehmen nicht alle Sympathisanten persönlich an dem Marsch teil: Im vergangenen Jahr erhielt die Demonstration Grußworte aus Politik und Amtskirche. Jürgen Rüttgers (CDU), damaliger Ministerpräsident von NRW, dankte den Teilnehmern des Marschs dafür, »die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die vielen Tausend Abtreibungen« zu lenken. Der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sandte ein Grußwort, in dem er betonte, dass »Embryonen die gleiche Würde und das gleiche Recht auf Leben haben wie geborenes Leben«.
Solche Gleichsetzungen kritisieren die Gegendemonstranten. Pablo Valgolio, Pressesprecher des Bündnis gegen Abtreibungsverbot und christlichen Fundamentalismus, vertritt den Standpunkt: »Jeder Mensch muss über seinen Körper selbst verfügen können. Mit einer Gleichsetzung von Embryonen und geborenen Menschen wird schwangeren Frauen dieses Recht abgesprochen.«
Einige Mitgliedsvereine des BVL greifen bei ihrem Einsatz für das Leben auch zu drastischen Mitteln. So wurde der Verein »Durchblick e. V.« im August dieses Jahres dadurch bekannt, dass er im Saarland im Rahmen seiner Kampagne »Embryonenoffensive« 300 000 Plastikembryonen an Privathaushalte verschickte. Nach Ansicht des Vereins veranschauliche diese Aktion, »dass bei jeder Abtreibung ein Mensch getötet wird«. Man ist dort überzeugt, damit eine »Trendwende im öffentlichen Bewusstsein« erreichen zu können. Die Berliner Rapperin Sookee, die die Proteste gegen die »Lebensschützer« unterstützt, findet diese Aktion »makaber«, wie sie auf einem Jugendfestival erklärte. Ihre Gage spendete sie dem Aktionsbündnis. Auch Leonie Schneider, die das Geld für das Gegenbündnis entgegennahm, wendet sich gegen die Plastikembryonenverschickung. Durch Ultraschall und moderne Bildgebungsverfahren sei ein Embryo in der Vorstellung der Menschen längst »kein Zellhaufen« mehr, sagte Schneider. Der Embryo sei zwar Leben, aber kein Individuum.
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