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Von Marina Mai 16.09.2010 / Berlin / Brandenburg

Pfeifen, Besen und Überraschungen

Kundgebungen gegen Rechtsaußen Samstag rund um Bahnhof Schöneweide

Der Bahnhofsvorplatz Schöneweide ist ein unwirtlicher Ort für eine Pressekonferenz. Der Autoverkehr dröhnte ungeheuer laut. Zudem aß Sebastian Schmidtke, ein Aktivist der Neonazi-Szene, dort gestern zeitgleich eine Currywurst, beäugte die Vertreter des Bündnisses gegen Rechts und versandte Nachrichten von seinem Handy. Der Zusammenschluss gegen die NPD-Kundgebung mit Rechtsrock informierte über den Stand seiner Vorbereitungen. Die Nazi-Gegner hatten den Bahnhofsvorplatz mit Spruchbändern wie »NPD-Verbot jetzt« und »Kein Podium für RassistInnen und Nazis. Rechtsrock abdrehen« geschmückt. Die Zahl der Passanten, die das überhaupt zur Kenntnis nahmen, blieb aber bescheiden.

»Wir haben inzwischen die Information erhalten, dass die NPD ihre Kundgebung mit Rechtsrock um 12 Uhr auf der Johannisthaler Seite des Bahnhofes abhalten wird«, sagt Hans Erxleben von der örtlichen LINKEN. Polizeisprecher Michael Gassen bestätigt den Kundgebungsort auf dem Busbahnhof Johannisthal. Es sei mit Einschränkungen im Busverkehr zu rechnen.

Das Anti-Rechts-Bündnis hat darum für 11 Uhr rund um den S-Bahnhof Schöneweide Kundgebungen an mehreren Orten angemeldet: am Michael-Brückner-Haus gegenüber dem Haupteingang des Bahnhofes, auf dem Bahnhofsvorplatz neben dem Dönerstand und seit gestern auch auf Johannisthaler Seite an der Kreuzung Südostallee/Sterndamm. Über die Genehmigung des letzten Ortes hat die Polizei noch nicht entschieden, es stehen noch Kooperationsgespräche bevor. Die Antifa will außerdem eine Demo durch die braun geprägten Ortsteile Nieder- und Oberschöneweide abhalten, vorbei am rechten Szenetreff »Zum Henker«. Ziel der Gegenveranstaltungen ist es, den NPD-Spuk zu verhindern. Zur Gegenkundgebung werden prominente Gäste erwartet wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und LINKEN-Fraktionschef Gregor Gysi. Dazu Bezirksstadtrat Dirk Retzlaff (SPD): »Ich freue mich, dass die Bundesebene unseren Bezirk mit dem braunen Pack nicht allein lässt.«

Technische Unterstützung gibt es zudem vom DGB, der eine Musikanlage bereitstellt und an die Teilnehmer der Gegenkundgebung Trillerpfeifen verteilt. Musikalisch hält das Bündnis einige Überraschungen bereit. »Die landeseigene BSR wird zudem Männer in Orange schicken, die die Straße vom braunen Schmutz säubern«, freut sich LINKEN-Chef Klaus Lederer. »Das ist ein Stück von dem breiten Bündnis, das wir uns wünschen.«

Da bleibt nur noch der Wunsch offen, dass möglichst viele Berliner am Samstag den Weg nach Schöneweide finden und zeigen, dass die NPD in dieser Stadt nicht erwünscht ist.

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