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Von Velten Schäfer 24.09.2010 / Inland

Böse Bilder aus dem Putenstall

Die Tierschützer von Peta verschärfen ihre Vorwürfe gegen Niedersachsens Agrarministerin

Die Tierschutzorganisation Peta präsentiert in Hannover neue Videos von leidenden Mastputen. Die Aufnahmen sind, daran besteht kaum Zweifel, in einem Betrieb entstanden, an dem der Familienbetrieb von Niedersachsens CDU-Agrarministerin Astrid Grotelüschen beteiligt ist.

Stefan Bröckling wirkt nicht wie ein Fanatiker, aber äußerst entschieden. Der Mann, vielleicht Anfang 40, hat ein freundliches, rundes Gesicht und spricht in wohlgesetzten Worten. Dabei ist sein Job spektakulär: »Verdeckter Ermittler« bei der Tierschutzorganisation Peta. Als solcher ist er im August und September in Putenmastanlagen eingedrungen, um leidende Tiere zu filmen. Böse Bilder, die Peta gestern in Hannover präsentierte und danach im Internet freischaltete: Nahaufnahmen von Tieren, die Laien als krank erkennen, die von anderen Tieren verletzt worden sind. Taumelnde, gerupfte Vögel in dichter Masse, der Stall auch nachts beleuchtet.

Bröcklings neueste Aufnahmen stammen aus einem Stall im niedersächsischen Cloppenburg, an dem die Mastputenbrüterei Ahlhorn beteiligt ist – das Unternehmen der Familie der niedersächsischen Agrar- und Tierschutzministerin Astrid Grotelüschen (CDU). Daran kann kaum ein Zweifel sein, an einer Stelle hält Bröckling sogar ein GPS-Gerät ins Bild, um seinen Standort zu dokumentieren. Bröckling sagt, dass die gefilmten Bedingungen kein Einzelfall seien, sondern das Normale in der Putenproduktion. Dass die Mastputen, deren kurzes Leben im Grotelüschen-Familienbetrieb beginnt, »Qualzüchtungen« seien, auf Dauer nicht lebensfähig. Und dass die Ministerin zurücktreten müsse.

Peta ist für sehr aggressive, aber professionelle Kampagnen bekannt. Edmund Haferbeck, der »wissenschaftliche Berater« der Gruppe, provoziert die Ministerin sogar persönlich: »Quasi erfunden« sei der Brandanschlag auf den Grotelüschen-Betrieb nach der letzten Peta-Veröffentlichung, lässt er sich zitieren. Im Stallbereich war damals eine Mülltonne entzündet worden.

Grotelüschen wird also reagieren müssen – so oder so, aber auf jeden Fall geschickter als nach der letzten Petra-Filmpremiere. Mit den im Sommer skandalisierten Ställen in Mecklenburg wollte sie erst nichts zu tun haben. Dann organisierte angeblich ihr Mann, der den Betrieb jetzt alleine weiterführt, gleichlautende eidesstattliche Erklärungen: die Aufnahmen seien nicht echt – was »Report Mainz« widerlegen konnte. Dann entstand ein Hin und Her über die Frage, von welcher Fax-Nummer diese Erklärungen verschickt worden seien. Es stellte sich heraus, dass Grotelüschens CDU-Büro offenbar in der Mastputenbrüterei liegt – und die Erzeugergemeinschaft, in deren Ställen nun gefilmt wurde, dieselbe Adresse hat. In öffentlich-rechtlichen Magazinen muss sich Grotelüschen seither fragen lassen, ob sie denn zwischen Politik, Familie und Geschäft trennen könne.

Grüne und LINKE im Landtag fordern schon seit Wochen Grotelüschens Rücktritt. Die Grünen wollen im Landtag einen Entwurf zur Verbesserung des Tierschutzes in Putenställen präsentieren, um das Thema lebendig zu halten. Peta hat Strafanzeige gestellt.

Bisher hat sich Ministerpräsident David McAllister (CDU) ausdrücklich hinter Grotelüschen gestellt: Ihre Branchennähe sei als »Erfahrung« zu verstehen und nicht als Interessenkonflikt, sagte er noch vor einer guten Woche. Vielleicht wird auch er umdenken müssen an diesem Punkt: Denn eins zeigt derzeit jede Presseschau: »Tierquälerei« ist längst auch zum Thema des Boulevards geworden – dann wird es bekanntlich gefährlich. Und es ist ja nicht so, dass die Niedersachsen-CDU sonst keine Probleme hätte.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • webby123, 24. Sep 2010 11:50

    Aussitzen

    Die CDU allen vorran Mc Allister versuchen das Thema auszusitzen. Ein CDU typisches Gebahren wie man auch in Duisburg wegen der Loveparadetoten sehen kann. Bloß keine Konsequenzen ziehen, es geht um Geld und Pensionen. Das eigene Wohl steht vor dem der Bürger. Aus diesem Grunde wird die CDU wenn sie nicht ganz schnell umschwenkt bald um die 5% Hürde kämpfen müssen. Denn die Reichen und Lobbyisten sind nach wie vor eine Minderheit und die vielen Bürger die Wähler.
    Was die CDU dort im Fall Grotelüschen abzieht ist eine Frechheit. Jeder normale Beamte hätte bei so vielen Vergehen die zweifelsfrei nachgewiesen wurden längst den Hut nehmen müssen. Bei solchen Interessenkonflikten wäre er nicht in diese Position gekommen.
    Auf den Posten gehören Tierschützer, min. Vegetarier. Die sind noch näher mit der Thematik vertraut.

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  • zzony, 24. Sep 2010 18:56

    leider hat Frau Grotelüschen weder Anstand noch Ehrgefühl

    Sie und ihr Mann verdienen an Puten, die man als Qualzucht bezeichnet. Sie wachsen so schnell, das sie weder laufen noch ihr eigenes Gewicht tragen können. DAS IST TIERQUÄLEREI, das kann man mit lapidaren dummen politischen Sprüchen nicht abwiegeln. Die Filmaufnahmen sind eindeutige Beweise, die niemand aus der CDU abwiegeln kann! Es ist wirklich furchtbar, wie die Bürger übergangen und entmündigt werden. Die Politiker sind Marionetten der Lobbyisten und Grotelüschen ist eine Lobbyistin, die direkt auf einen Ministerposten gesetzt wurde. Wulff hat einen großen Fehler gemacht, er müsste selbst auch zurücktreten!!! Wir können uns nicht von der Industrie regieren lassen!!!

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  • fuerTiere, 25. Sep 2010 19:29

    In der modernen Putenmast leben die Tiere monatelang

    in dermaßen überfüllten Ställen, daß ein Flügelschlagen oder Beinestrecken nahezu unmöglich ist. Sie stehen in ihrem eigenen Kot, und die Urin- und Ammoniakdämpfe verätzen ihnen die Augen und Lungen. Millionen Puten überleben schon die ersten Wochen nicht. Im Schlachthof werden sie an ihren schwachen, verkrüppelten Beinen aufgehangen.

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