»Nicht willkommen!« Die Botschaft des Bündnisses »Rechtspopulismus stoppen« zum Besuch des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders an diesem Sonnabend ist eindeutig. Mit zivilem Ungehorsam wollen die Bündnispartner, zu denen Gewerkschaften, Parteien, Jugendorganisationen und Migrantenverbände zählen, den Auftritt des in Holland als »Propheten der Angst« verschrienen Islamfeinds verhindern. Doch wo genau die Blockaden stattfinden sollen, war am Freitag unklar.
»Sobald wir wissen, wo die Veranstaltung stattfinden wird, werden wir dies auf unserer Homepage und über den Dienst Twitter bekannt geben«, sagte Bündnissprecher Dirk Stegemann gegenüber ND. Zu den Protesten gegen Wilders, der auf Einladung des deshalb aus der CDU ausgestoßenen Abgeordneten René Stadtkewitz in die Stadt kommt, werden auch Parteimitglieder aus den Niederlanden erwartet. Am Sonnabend sollen auf einem Podium mit dem Titel »Stop the Wilders Show« Strategien gegen Rechtspopulismus und antimuslimischen Rassismus im Rathaus Schöneberg diskutiert werden. »Wir dürfen es nicht zulassen, dass Ausgrenzung und Diskriminierung das Miteinander in der Gesellschaft gefährden«, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, die auf dem Podium gemeinsam mit Dirk Stegemann und Peter Scheffer von der niederländischen Partei der Arbeit diskutieren wird.
Kritik an dem Besuch des ausgesprochenen Islamhassers Wilders äußerte gestern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). »Es ist nicht unsere Art, Religionen in Bausch und Bogen zu verdammen«, ließ Merkel über ihren Sprecher verlauten. Jüngst hatte Merkel bedauert, dass die neue niederländische Regierung möglicherweise vom Islamfeind Wilders geduldet werden könnte. Ob es dazu kommt, entscheidet am heutigen Sonnabend ein Parteitag der Christdemokraten in den Niederlanden. Wilders hatte Merkel daraufhin aufgefordert, sich aus der Politik seines Landes herauszuhalten.
Ein obskurer Appell, schließlich hält Wilders selbst nichts davon ab, seine Pläne, eine internationale antiislamische »Allianz der Freiheit« zu formen, weiter zu verfolgen. Dafür soll auch der Besuch in Berlin dienen: Rund 500 Gäste werden zu der Veranstaltung erwartet. Neben einer Rede zu »Islam und Integration«, die eher ein Aufruf zum Kulturkampf sein dürfte, will Wilders seinen äußerst zweifelhaften Film »Fitna« (2008) zeigen. Darin werden Koransuren mit Gewaltbildern vermischt, um einen direkten Zusammenhang zwischen Koran und islamistischen Terror zu konstruieren. Der Film ging selbst Kritikern der islamistischen Ideologie viel zu weit.
Das Rätselraten um den geheimen Veranstaltungsort ließ sich bis Redaktionsschluss nicht endgültig aufklären: Die Veranstalter um René Stadtkewitz, der wie Wilders eine Freiheitspartei aufbauen will, gaben das Hotel Estrel in Neukölln an. Darüber hinaus kursierten allerdings weitere Veranstaltungsräume in Hotels in Wilmersdorf und Tempelhof.
Aktuelle Infos: rechtspopulismusstoppen.blogsport.de/
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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