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Von Dieter Janke
08.10.2010

Eskalation im Währungskonflikt

G20-Gipfel soll zwischen USA, EU, Japan und China schlichten

Die währungspolitischen Streitigkeiten zwischen Europa, den USA, Japan und China haben sich in den letzten Tagen deutlich zugespitzt.

Südkorea will angesichts eines drohenden Abwertungswettlaufs an den Devisenmärkten die Koordination der Wechselkurspolitik beim G20-Gipfel im November in Seoul thematisieren. »Die Sorgen nehmen angesichts der Unsicherheiten in der Wirtschaft zu«, erklärte Präsident Lee Myung Bak am Donnerstag. »Jetzt ist es Zeit für die Welt, die Kooperation zu stärken.« Lee warnte zugleich vor einer weltweit wachsenden Neigung zu Protektionismus.

Zuvor hatte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, im Vorfeld der Jahrestagung seiner Institution am Wochenende vor einem drohenden Währungskrieg gewarnt. »Es beginnt sich die Ansicht zu verbreiten, dass die Währungen als politische Waffe eingesetzt werden können.« Dies könnte sich zu einer ernsthaften Bedrohung der globalen Konjunkturbelebung auswachsen.

Die USA wie auch die EU fordern von der chinesischen Führung eine deutliche Aufwertung des Yuan gegenüber ihren Währungen – bislang vergeblich. Am Mittwoch bekam auch Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des EU-Asien-Gipfels den rauer gewordenen Wind zu spüren. Bei einem abendlichen Empfang auf Schloss Meseberg ließ sie Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao wissen, Europa wünsche sich eine »geregelte und umfassende Aufwertung« des Yuan. Der chinesische Gast ließ die Merkel-Bitte jedoch ebenso ins Leere laufen wie ähnliche Vorstöße von EU-Ratspräsident Herman van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Die europäischen Staaten müssten den »Druck« auf Peking beenden, entgegnete der chinesische Staatschef. Eine rasche Aufwertung des Yuan würde zu erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen in der Volksrepublik führen. Für die geplanten Reformen müsse die chinesischen Währung »relativ stabil« gehalten werden, so Wen Jiabao.

Während in Europa noch moderate Töne vorherrschen, rücken in den USA Strafzölle auf chinesische Warenimporte näher; das Repräsentantenhaus hat diese bereits beschlossen, um den Druck zur Aufwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar zu erhöhen. In der Diagnose ist man sich aber einig: Laut internen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums ist die chinesische Währung um 27 Prozent unterbewertet. In den USA ist von bis zu 40 Prozent die Rede.

Beobachter schließen bis auf Weiteres Interventionen der traditionell auf stabile Wechselkurse setzenden europäischen Währungspolitik aus. Die EU-Zentralbank (EZB) ließ am Donnerstag bei ihrer Ratssitzung den Leitzins im Euroraum unverändert. EZB-Chef Jean-Claude Trichet stellte klar: »Unsere Politik hat sich in den vergangenen vier Wochen absolut nicht geändert.« Dagegen hatte die japanische Notenbank Anfang der Woche die Geldpolitik gelockert und bereits vorher an den Märkten interveniert, um den Aufwärtstrend des Yen zu stoppen. Auch die US-Notenbank setzt auf eine expansive Geldpolitik. Mit extrem niedrigen Zinsen und einem schwachen Dollar wird hier versucht, Investitionen und Konsum wieder in Schwung zu bringen sowie das exorbitante Leistungsbilanzdefizit zu reduzieren.

Vor dem Hintergrund der auseinander driftenden Interessen sehen Währungsexperten mit Blick auf die anstehende Jahrestagung des IWF und den G20-Gipfel denkbar schlechte Chancen für eine Koordinierung der Wechselkurspolitik.

1 Kommentar

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  • Ravenbird / 08. Okt 2010 09:46

    Währung nach Wirtschaftsstärke

    An sich sollte doch der Wert einer Währung die Wirtschaftsstärke des betreffenden Landes widerspiegeln. Leider ist das in keinen der großen Wirtschaftsnationen allerdings wirklich der Fall. Da wird manipuliert was das Zeug hält um die eigene Wirtschaft besser dastehen zu lassen. Die EZB fährt dahingehend zwar einen wesentlich stärker auf Stabilität ausgerichteten Kurs als die Zentralbanken in den USA, China und Japan. Aber meiner Meinung nach ist der Kurs der EZB was das Ziel Stabilität betrifft immer noch nicht so klar wie es dereinst bei der Deutschen Bundesbank war. Dazu kommt noch das sie eben nicht als einzige Institution das Recht hat Geld in den Markt zu geben oder Geld aus dem Markt zu ziehen. Auch ist sie bei weiten nicht so unabhängig von der Politik wie dereinst die Bundesbank. Beides sind in meinen Augen Geburtsfehler der EZB die so schnell wie möglich behoben werden sollten.

    Darüber hinaus sollte man was EU und dort vor allen Deutschland betrifft endlich einmal dafür sorgen die Binnennachfrage anständig anzukurbeln. Aber das geht nur mit anständigen Einkommen für alle. Die Ganze Niedriglohnpolitik der Regierung (angefangen mit der eines gewissen Herrn Schröder) ist dahingehend äußerst kontraproduktiv. Klar sie hilft dem Export, aber man muss wirklich fragen ob wir für den Exporterfolg die Soziale Komponente in unserem Staat über Bord werfen wollen. Ich für meinen Teil will es nicht!

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