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Udo Bartsch
09.10.2010
Zeitgenuss

Nepp im Schlaraffenland

Jugendbuch: Zwischen Märchen und Krimi

Hauptsache Schnäppchen! Philipps Vater kauft alles, was wenig kostet, und brüstet sich hinterher mit seinen Einsparungen. Ob die Sonderangebote benötigt werden, spielt keine Rolle; Kritik ist unerwünscht. Dem neuen Navigationsgerät schenkt Philipps Vater deshalb blindes Vertrauen, obwohl das Familienauto auf dem Weg in den Urlaub erst auf enge Waldwege und dann durch einen Breiberg gelotst wird, um schließlich in einem obskuren Ferienklub zu landen.

Im Bach schwimmen Fischstäbchen und die Zäune sind aus Bratwürsten zusammengenagelt, ansonsten wirkt alles seltsam altmodisch und wie aus einem vorigen Jahrhundert. »Ein Experiment«, erklärt der schleimige Direktor den ankommenden Gästen, »der Prototyp einer neuen Urlaubs-Kette«. Philipps Vater ist sofort Feuer und Flamme, denn der Aufenthalt ist »all inclusive«. Philipp hingegen ahnt, dass hier irgendetwas faul sein muss. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin Samantha blickt er hinter die Kulissen des vermeintlichen Paradieses.

Sabine Ludwig erzählt das Märchen vom Schlaraffenland in einer modernen Variante und kombiniert es mit einem Kinderkrimi. Das Aufeinanderprallen zweiter Welten sorgt für komische Szenen; die Dramaturgie steigert sich zu einem spannenden Showdown. Das ist gekonnt erzählt, doch inzwischen nicht mehr ganz originell. Dieselbe Mischung aus Fantasy und Realität hat die Autorin zuletzt schon mehrfach angerührt.

Sabine Ludwig, Aufruhr im Schlaraffenland, Dressler, 256 Seiten, 13,95 Euro (ab 11 J.).

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