Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Anouk Meyer 25.10.2010 / Berlin / Brandenburg

Börse der Lebensentwürfe

Alternative Wohnprojekte präsentieren sich bei den »Experimentdays 10«

Besetzte Häuser, Wagenburgen, WGs: Lange galten alternative Wohnkonzepte in der breiten Masse als anrüchig oder waren zumindest Künstlern und Studenten vorbehalten. Doch seitdem Mieten und Energiepreise immer teurer werden und Klimaschutz immer wichtiger wird, ändert sich das. Heute schätzen immer mehr »bürgerliche« Familien, Singles und ältere Menschen die Vorteile von Baugemeinschaften im Passivhaus, generationsübergreifenden Wohnprojekten oder autofreien Kiezen. Exkursionen zu verschiedenen Hausprojekten, Diskussionen und eine Projektbörse bieten ab heutigem Montag bis Sonntag, 31.10., die Experimentdays 10.

Veranstalter ist der gemeinnützige Verein id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit, der sich u.a. für nachhaltige Stadtentwicklung und innovatives Wohnen einsetzt. Seit 2003 organisiert der Verein mit seiner Initiative Experimentcity jährlich die Experimentdays als Messe für zukunftsweisende Wohn- und Bauformen, unterstützt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin. »Wir wollen eine Plattform bieten, um Aktive und Interessierte zusammenzubringen und Neueinsteigern Hilfestellungen zu geben«, erklärt Mitorganisatorin Lena Kurt aus dem Vorstand von id22 die Idee der »Experimentiertage«. Denn wer sich etwa für gemeinschaftliches Wohnen interessiert, aber noch keine Erfahrung hat, steht vor mannigfaltigen Problemen: Wie kann man eigene Ideen umsetzen oder bestehende Projekte recherchieren, wie sind die Kreditoptionen, welche Förderung gibt es für umweltfreundliches Bauen und partizipative Wohnprojekte, wie sind die rechtlichen Grundlagen?

»Bei den Experimentdays kann man sich beraten lassen, andererseits wollen wir die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens bekannt machen und werben für die Teilnahme der Bürger an der Stadtgestaltung im Sinne einer gerechten, zukunftsfähigen Gesellschaft«, erläutert Lena Kurt, die Stadt- und Regionalplanung studiert hat und gerade an ihrer Diplomarbeit schreibt.

Bei den diesjährigen Experimentdays stellen sich die Woche über verschiedene bereits bestehende und geplante Projekte vor, so das ExRotaprint-Quartier im Wedding (Mo., 16-19 Uhr, Gottschedestr. 4), der neu entstehende Möckernkiez in Kreuzberg (Di.) und das Haus Schwarzenberg als letztes alternatives Kulturprojekt am glatt sanierten Hackeschen Markt (Fr., 10.30 und 13 Uhr). Daneben gibt es Exkursionen mit Experten zu verschiedenen Wohnprojekten, Genossenschaften und Baugemeinschaften.

Erstmals findet in diesem Jahr auch eine internationale Konferenz statt, bei der sich alternative Wohnprojekte aus anderen Städten Europas und aus Taipeh vorstellen. Diskutiert wird, was Politiker, Forscher, Bauträger und Aktivisten tun können, um eine Vielfalt an solidarischen und nachhaltigen Bau- und Wohnformen zu fördern. »In Berlin zum Beispiel ist zwar vor einigen Jahren die Senatsförderung für gemeinschaftliche Wohnprojekte weggefallen, dafür unterstützt man solche Projekte nun mit der Bereitstellung von Grundstücken«, so Lena Kurt. Insgesamt biete Berlin nach wie vor recht gute Rahmenbedingungen für alternative Bau- und Wohnformen.

Wie viele es davon gibt, zeigt die Projektbörse am kommenden Samstag von 10 bis 20 Uhr in der Forum Factory am Blumengroßmarkt (Besselstr. 14). Dutzende von Initiativen stellen sich hier vor, beantworten Fragen und stehen für einen Erfahrungsaustausch zur Verfügung – von der Netzwerkagentur Generationen Wohnen über sozial-ökologische Banken bis zu Wohn- und Bauprojekten wie Spreefeld, die Frauen-Hausgemeinschaft Müggelhof oder das Baugruppenprojekt Familienwohnen Kreuzberg.

»Bei der Projektbörse liegt der Fokus auf der Vermittlung zwischen Suchenden und Wohnprojekten, Genossenschaften und Baugemeinschaften«, heißt es im Programm – für Interessierte somit der beste und einfachste Weg, einmal in verschiedene Gruppen hineinzuschnuppern. Denn klar ist: Gerade in gesellschaftlich und materiell unsicheren Zeiten werden Dinge wie Nachbarschaftshilfe und Wohnumfeld immer wichtiger. Wie dies jeweils aussieht, muss jeder für sich entscheiden – das Interesse an der Gestaltung des eigenen Umfelds wollen jedenfalls immer mehr Menschen nicht mehr den Politikern allein überlassen.

www.experimentdays.de

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
nd-Probeabo

Jetzt »nd« testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.