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Von Abida Semouri, Algier 26.10.2010 / Ausland

Protest der Sahraouis in besetzter Westsahara

Mindestens ein Toter und 70 Verletzte bei der Niederschlagung der Aktionen

Bei der Niederschlagung von Protesten der sahraouischen Bevölkerung in der von Marokko besetzten Westsahara ist mindestens ein Mensch gestorben. Es gab 70 Verletzte.

Ein 14 Jahre alter Junge wurde in der Nacht zu Montag von marokkanischen Soldaten getötet, als diese ein Fahrzeug nahe einem Protestlager bei der Stadt El Aioun unter Beschuss nahmen. Nach Angaben eines Sprechers der Befreiungsfront Polisario in Algier wurden dabei zudem zehn Menschen verletzt. Er berief sich auf unabhängige westliche Beobachter vor Ort. Spanische Medien sprechen von zwei erschossenen Sahraouis und einem getöteten marokkanischen Soldaten. Mit dem Geländewagen sollten Lebensmittel, Wasser und Medikamente in das Zeltlager gebracht werden, in dem seit zwei Wochen 20 000 Bewohner El Aiouns aus Protest gegen die Okkupation campieren. »Die sahraouischen Familien wollen damit die internationale Öffentlichkeit auf die verheerenden sozialen und humanitären Zustände in den besetzten Gebieten und die Ausplünderung der Bodenschätze durch Marokko und Europa aufmerksam machen«, sagte der Polisario-Sprecher. In Smara und Boujdour gäbe es ähnliche Aktionen.

Die marokkanischen Behörden hätten 2000 Soldaten um das durch Sandwälle und Stacheldraht von der Außenwelt abgeriegelte Lager in El Aioun zusammengezogen und kontrollierten das Geschehen von Hubschraubern aus. Damit soll verhindert werden, dass sich noch mehr Menschen in dem Camp niederlassen. Insgesamt seien bei den Protesten bisher etwa 70 Personen verletzt worden.

Die Westsahara ist seit dem Abzug der Kolonialmacht Spanien vor 35 Jahren zum größten Teil von Marokko besetzt. Der kleinere Teil des Gebietes steht unter Kontrolle der Polisario, die für einen unabhängigen Staat kämpft. Beide Territorien trennt ein von Marokko errichteter und militärisch gesicherter Wall. 165 000 Sahraouis leben in Flüchtlingslagern nahe dem südwestalgerischen Tindouf. Die dort ansässige sahraouische Exilregierung hat am Wochenende einen dringenden Appell an die internationale Öffentlichkeit gerichtet und die UNO aufgefordert, der sahraouischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten so schnell wie möglich zu Hilfe zu kommen.

Seit knapp zehn Jahren ist in dem Konflikt ein Waffenstillstand in Kraft. Er wird von der UN-Friedensmission Minurso überwacht, deren Mandat noch bis Juni 2011 läuft. Dies sind die bisher einzigen Ergebnisse eines UN-Friedensplanes. Das vorgesehene Referendum über Selbstbestimmung oder Anschluss an Marokko scheiterte bisher an der Haltung Rabats, das lediglich eine begrenzte Autonomie zugestehen will.

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