Kooperation statt Freihandel
Entwicklungspolitische und Umweltverbände fordern eine Umkehr in der Politik der Industriestaaten
Als Alternative werden Schutzvorkehrungen und die Förderung der Nahrungsmittelproduktion für einheimische Märkte vorgeschlagen, die in ein globales Handelssystem integriert werden müssten. Den Entwicklungsländern sollte dabei gestattet werden, eine ausreichende Anzahl jener Güter vom Freihandel auszunehmen, die unabdingbar für die Ernährungssicherheit und die Lebensgrundlage von Bauern und Bäuerinnen sind. Dabei sollten sie angemessene Zolltarife einführen dürfen, um Importe zu reduzieren oder zu stoppen, die negative Auswirkungen auf die ländliche Entwicklung haben. Nach Ansicht von Frein und Reichert ist eine »grundsätzlich richtige Politik« auch der Widerstand gegen Zollsenkungen für sämtliche Waren des verarbeitenden Sektors sowie für wichtige Umweltressourcen oder bei der Liberalisierung von Dienstleistungen. Laut Michael Frein muss auch erreicht werden, dass zum Beispiel der im TRIPS-Vertrag zu geistigen Eigentumsrechten geregelte Patentschutz für Arzneimittel armen Menschen nicht länger den Zugang zu bezahlbaren Medikamenten versperrt.
»Kooperation statt Freihandel« fordert Martin Khor, Direktor des Third World Network aus Malaysia. Sogenannte Zollausgleichssteuern für besonders klimaschädliche Produkte zeigten, dass Industriestaaten zur Anwendung protektionistischer Maßnahmen bereit seien. »Die Lösung ist nicht, die Entwicklungsländer zu bestrafen, weil sie arm sind und sich eine bessere Technologie nicht leisten können«, sagt Khor. Vielmehr müssten die Industrieländer ihnen die technologischen Mittel zur Verfügung stellen, die helfen, in ihrer ökonomischen Entwicklung weiterzukommen.
Ein gerechtes Handelssystem muss aus Sicht von NRO aus dem Süden zu einem Ende der Dumping-Politik führen. Alle Arten von direkten oder indirekten Exportsubventionen in den Industrieländern sollten gestoppt und Spekulationsgeschäfte auf Agrar- und Rohstoffmärkten bestraft werden, wie es auch afrikanische Regierungen innerhalb der WTO vorgeschlagen haben.
