Von Heidrun Böger, Leipzig
05.11.2010

Tisch und Schrank aus Messehalle 10.13

In Leipzig-Probstheida bekommen Bedürftige Möbel für wenig Geld

Der Bürgerverein Probstheida gehört zu den aktivsten seiner Art in Leipzig. Ein wichtiges Tätigkeitsfeld sein soziales Möbelprojekt.
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Angela Seifert und Karl-Heinz Pfeiffer vom Bürgerverein

Möbel für wenig Geld erhalten Bedürftige im Leipziger Stadtteil Probstheida. Der dortige Bürgerverein hat das Projekt vor etwa anderthalb Jahren angeschoben – mit Erfolg. Zurzeit 40 Angestellte hat der Verein, womit er zu den größeren Stadtteilvereinen in Leipzig gehört – einer der aktivsten ist er mit Sicherheit. Es gibt einen Bürgertreff in der Bockstraße, ein stets gut besuchtes Kinder- und Freizeitzentrum in der Franzosenallee, verschiedene Beratungsangebote – und ganz – neu seit Ende September eine Bibliothek. Die alte hat die Stadt Leipzig vor einiger Zeit geschlossen, seitdem kam nur die Fahrbibliothek im Stadtteil Probstheida vorbei.

Es geht um Mitbestimmung

»Für das soziale Möbelprojekt haben wir eine Halle auf dem Gelände der Alten Messe gemietet. Wer wenig Geld hat, bekommt hier eine Schrankwand für 50 Euro oder ein Schuhschränkchen für zehn«, erklärt Vereinsvorsitzende Angela Seifert. Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Karl-Heinz Pfeiffer und etwa 24 Vereinsmitgliedern engagiert sie sich für die Belange derjenigen, die wenig haben. Der Bürgerverein macht sich aber auch allgemein für die Belange des Leipziger Stadtteils Probstheida stark, zum Beispiel wenn es sich um neue Wohngebiete oder andere Großprojekte handelt. Hier geht es vor allem um Mitbestimmung.

In der Messehalle 10.13 stehen Sofas, Stühle, Schränke und Küchen dicht an dicht. Oft rufen Leute an, die kostenlos etwas abzugeben haben, das sie nicht mehr benötigen, was aber zu schade zum Wegwerfen ist. Die Projektmitarbeiter kommen dann und holen es ab. »Die Sachen müssen aber in gutem Zustand sein«, macht Karl-Heinz Pfeiffer klar. Auch bei Haushaltsauflösungen fällt einiges an, das dann in den Vereinsräumen am Deutschen Platz landet. Nicht nur Möbel gehören dazu, sondern auch Waschmaschinen, Haushaltsgegenstände und Bücher.

Derzeit neun Mitarbeiter sind im Sozialen Möbelprojekt beschäftigt, alle wurden über die Leipziger Arge vermittelt. Sie sind auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer unterzubringen, entweder weil sie alleinerziehend mit Kind sind oder weil sie gesundheitliche Probleme haben – oder einfach aufgrund ihrer langen Arbeitslosigkeit. Gefördert wird das Projekt unter anderem vom Europäischen Sozialfonds, von der Arge und zu einem kleinen Teil auch von der Stadt Leipzig.

Froh über die Arbeit ist zum Beispiel Gabriele Altner. Die gelernte Wirtschaftskauffrau hat schon viele Bewerbungen geschickt: »Entweder es heißt, ich bin überqualifiziert oder zu alt. Oder ich sei nicht fit in den allerneuesten Abrechnungsprogrammen. Für ein kostenloses Praktikum könnte ich aber überall gern bleiben.«

Zukunft ungewiss

So hat sich die 54-Jährige selbst gekümmert und ist auf das Soziale Möbelprojekt auf der Alten Messe gestoßen, wo sie sich gemeinsam mit einem Kollegen um die Verwaltung kümmert: »Es macht mir viel Spaß.« Wie bei den anderen Beschäftigten auch läuft ihre Stelle jedoch im Januar 2011 aus. Wie es weitergeht, wissen die meisten nicht.

Angela Seifert und Karl-Heinz Pfeiffer machen sich für eine Fortsetzung des Projektes stark: »Nicht jeder ist auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelbar, unsere Leute fühlen sich hier wohl und tun etwas Nützliches«, bringt es Angela Seifert auf den Punkt.

Im Internet: www.bürgerverein-probstheida.de