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Von Martin Lejeune
12.11.2010

Alte Liebe rostet doch

Studie belegt Entfremdung von Sozialdemokratie und Gewerkschaften

Gewerkschaften suchen vermehrt die Nähe zur Linkspartei. Auf der anderen Seite fühlen sich vor allem Jusos von den Gewerkschaften zunehmend entfremdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokratie

Martin Behrens vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in der Hans-Böckler-Stiftung und Wade Jacoby, Politikwissenschafter an der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah, befragten 2366 SPD-Aktivisten zu ihrem Verhältnis zu den Gewerkschaften. Darunter befanden sich neben Vorstandsmitgliedern und Bundestagsabgeordneten auch Ortsvereinsvorsitzende sowie andere Mandatsträger, aber auch sehr aktive Mitglieder ohne Funktion, also der Kern der SPD-Mitglieder, die die Partei vorantreiben.

»Wie groß sollte Ihrer Meinung nach der Einfluss gewerkschaftlicher Positionen innerhalb der SPD sein?«, lautete eine Frage und nur 56 Prozent der Antwortenden gaben an »großer als bisher«. 33 Prozent der SPD-Elite wünscht sich sogar einen »schwachen« Einfluss gewerkschaftlicher Positionen, das heißt »unverändert schwach«, kommentiert Behrens trocken.

Dass sich das Verhältnis zwischen der SPD und den Gewerkschaften in den letzten fünf Jahren »verbessert« habe, befanden 17 Prozent der Funktionäre auf Bundesebene, allerdings nur 14 Prozent der Aktiven an der Parteibasis als zutreffend. Für 63 Prozent auf Bundesebene habe sich das Verhältnis zu den Gewerkschaften »verschlechtert«, an der Basis wiederum beobachten dies nur für 43 Prozent. »Je weiter man zur Basis kommt, umso entspannter wird dieses Verhältnis wahrgenommen«, heißt es in der Studie.

Im Unterschied zu vergangen Spannungen zwischen SPD und Gewerkschaften gibt es heute zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte als Bündnispartner für die Gewerkschaften wieder eine relevante und parlamentarische Alternative zur SPD: Die LINKE. 39 Prozent aller SPD-Aktivisten stimmen der Aussage zu, dass Gewerkschaften zunehmend bevorzugt die Nähe zur Linkspartei suchen. Die belegt auch der Umkehrschluss: Daß Gewerkschaften auf Kontakt zur SPD noch großen Wert legen, dem stimmten nur acht Prozent der SPD-Elite voll und ganz zu. Für 37 Prozent trifft dies eher nicht zu. Dies sei »beileibe keine triviale Gruppe«, so Behrens.

Die Forscher fanden mit ihrer Untersuchung auch heraus, dass zwei unterschiedliche Dimensionen der Entfremdung von SPD und Gewerkschaften zunehmen. Eine inhaltliche Dimensionen »Die wollen nicht das war wir wollen«, so Behrens, und eine Kontaktdimensionentfremdung – also eine Entfremdungstendenz auf der Ebene der Nähe und des Vertrauens: »Auf die Gewerkschaften ist kein Verlass mehr«, denken diese Parteiführer, so Behrens.

Nur noch 53 Prozent der führenden SPD-Aktivisten spüren keine Entfremdung von den Gewerkschaften. 29 Prozent dagegen vernehmen bei sich eine Entfremdung auf der Kontaktdimension. Besonders entscheidend ist hier der Einfluss des Lebensalters. Die Gruppe der Parteigestalter, die fast keine Entfemdungssymptome zeigt, steigt eindeutig mit dem Alter an. Bei den Jusos fühlen sich ein Drittel entfremdet, bei den Alt-68ern nur 16 Prozent. Wenn man auf die Altersverteilung bei denen schaue, die deutliche Entfremdungstendenzen zeigen, dann müsse einem schon bange werden, meint Behrens. Denn mit dem Ausscheiden der Alt-68er aus der Parteiarbeit drohen die Gewerkschaften aus der SPD herauszuwachsen. Daher erfordere die Entfremdung auf der Kontaktdimension umgehend vertrauensbildende Maßnahmen von beiden Seiten, empfiehlt die Studie.

Die inhaltliche Entfremdung dagegen sei nicht leicht abzubauen. Diese für die SPD dramatische Entwicklung führt die Studie auf Gerhard Schröders Basta-Politik zurück. Der Scherbenhaufen, den Schröder durch den neoliberalen Kurs der SPD hinterließ, wird die letzten noch nicht von den Gewerkschaften entfremdeten Sozialdemokraten noch lange beschäftigen.

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