Streitfrage: Soll die Präimplantationsdiagnostik erlaubt werden?

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine Methode, bei der im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf genetische Defekte untersucht werden. In Deutschland war nach Ansicht vieler Juristen die PID bisher durch das 1990 erlassene Embryonenschutzgesetz verboten. Der Bundesgerichtshof verwarf vor rund drei Monaten diese Rechtsauffassung und stellte klar, dass die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Erbschäden erlaubt ist. In der schwarz-gelben Regierungskoalition wird derzeit heftig über eine zukünftige gesetzliche Regelung diskutiert. Vor allem in den Unionsparteien wird immer wieder ein Verbot der PID gefordert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt diese Forderung. Es debattieren: Prof. Dr. Klaus Diedrich, Klinikdirektor, und Dr. Katrin Grüber, Institutsleiterin.

Prof. Dr. Klaus Diedrich
Eine unnötige Ausweitung ist nicht erkennbar Von Klaus Diedrich Durch die Präimplantationsdiagnostik (PID) bietet sich die Möglichkeit bei Paaren mit schweren genetisch determinierten Erkrankungen bereits vor Etablierung einer Schwangerschaft betroffene Embryonen zu diagnostizieren und von eben dieser Schwangerschaft auszuschließen. Dadurch kann ein belastender Schwangerschaftsabbruch verhindert werden. Bisher wurde bei Vorliegen einer Erbkrankheit in der Familie die pränatale Diagnostik angeboten, die die Möglichkeit gibt, zum Beispiel durch Fruchtwasseruntersuchung, diese Erbkrankheit in der Schwangerschaft auszuschließen. Bei einem ungünstigen Ergebnis der pränatalen Diagnostik steht das Paar vor der schwierigen Frage, wie sie damit umgehen und ob sie über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken soll. Durch die PID kann ein belastender Schwangerschaftsabbruch verhindert werden. Die Schwangerschaft auf Probe (pränatale Diagnostik) kann abgelöst werden durch die Zeugung auf Probe (PID). Nachdem viele Jahre sehr unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Zulässigkeit der PID aufeinander prallten und Ärzte aus Angst vor Strafverfolgung daher diese Methode nicht anwendeten, hat das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) jetzt für Rechtssicherheit für Ärzte und Betroffene gesorgt. Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland rechtlich möglich geworden. Die PID ist außerhalb Deutschlands und Österreichs überall möglich. Obwohl weltweit pro Jahr mehr als 600 000 Zyklen zur In-vitro-Fertilisation durchgeführt werden, wurde im Jahr 2006 nur in 1876 Fällen eine Präimplantationsdiagnostik durchgeführt. Dies zeigt, dass die Indikation zur PID in Ländern, wo sie zulässig ist, sehr streng gestellt wird. Die Sorge über eine unnötige Ausweitung dieser PID ist deshalb nicht erkennbar und unnötig. Die PID sollte lediglich zum Ausschluss einer nicht therapierbaren schweren Erbkrankheit eingesetzt werden. Dies sollte durch eine Ethikkommission der Bundesärztekammer geprüft werden. Auch die Polkörperdiagnostik (genetische Untersuchung einer entnommenen Eizelle) ist hierfür bei »Ein-Gen-Krankheiten« geeignet. Studien haben gezeigt, dass das sogenannte Aneuploidiescreening (Überprüfung künstlicher Embryonen auf spezielle Chromosomenveränderungen) nicht die erhofften Ergebnisse einer Verbesserung der Schwangerschaftsrate und Reduzierung der Abortrate bei älteren Patientinnen brachte. Deshalb sollte dieses Screening am Embryo und auch an der Eizelle mit Polkörperdiagnostik heute nicht mehr außerhalb von Studien angeboten werden. Zwar ist durch das Urteil des Bundesgerichtshofes die PID rechtlich in Deutschland möglich geworden, jedoch ist es für die beteiligten Ärzte wichtig, dass dieses auch gesetzlich positiv geregelt wird.

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