René Heilig
23.11.2010
Personalie

Vize ist Chef

Bernhard Witthaut, geboren in Hagen, stieg vom GdP-Vize zum GdP-Chef auf

Der Freiberg heißt jetzt Witthaut, Bernhard Witthaut. Der 55-Jährige ist der neue Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und wird, wie sein Vorgänger, der die Wahlfunktion neun Jahre ausfüllte, auf vielen Hochzeiten tanzen müssen. Vor allem soll er natürlich die Interessen der Mitglieder vertreten, was bedeutet, er muss sich vor allem immer wieder indirekt mit Finanzministern in Bund und Ländern anlegen. Denn dass die Polizei gut ausgerüstet und auch durch eine anständige Bezahlung (besonders für die Vielzahl der Überstunden) bei Laune gehalten wird, unterschreiben alle Innenminister – so lange, bis die Kollegen mit der Etathoheit alles auf das Machbare reduzieren.

Witthaut, seit 1975 Polizist und seit 1982 Gewerkschafter, wird für die Seinen, die zwar Forderungen stellen, doch – da die meisten Beamte sind – nicht streiken dürfen, kämpfen. Dass er über den Helmrand hinaus schauen kann, hat der Polizeihauptkommissar auch beim jüngsten Castor-Transport ins Wendland bewiesen. »Wer längere Laufzeiten für Atomkraftwerke beschließt, darf sich nicht über längere Laufzeiten für Castor-Transporte wundern«, hat er da gepoltert und ist noch immer stinksauer, wenn man seinen Kollegen die ihnen zustehende Entlohnung runterrechnen will.

Wenn im Januar wieder Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder anstehen, wird die GdP abermals die Kooperation mit ver.di suchen. Das bedeutet: Die Zwei-Millionen-Gewerkschaft wird für die 170 000 Mitglieder der GdP streiten. Wie wichtig die soziale Seite selbst bei Staatsbediensteten ist, hat Witthaut auf vielen Funktionärsebenen vom Kreisgruppen- bis zum Vize-Chef des Personalhauptrates in Niedersachsen erfahren.

Dennoch wird das Tarifliche nur einen Teil seines Jobs ausmachen. Immer dann, wenn die Chefs der Innenministerien und der Polizeien nichts über politisch Brisantes sagen, weil sie nichts wissen oder nichts weitertragen dürfen oder sich einfach nicht unbeliebter als ohnehin notwendig machen wollen, dann wird der GdP-Chef – wie bisher – gefragter Partner der Medien sein. Er wird sich dabei, so ist zu erwarten, weiterhin liberaler darstellen als die Konkurrenz von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

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