Von Andreas Fritsche
01.12.2010
Brandenburg

Liberaler Kaiser und kunstsinnige Prinzessin

Bernd Maether und andere Autoren erzählen die Geschichte des Kronguts Bornstedt

Das Krongut Bornstedt überließ Kaiser Wilhelm I. seinem Sohn Friedrich Wilhelm im Jahr 1867. Er zeichnete den jungen Kronprinzen damit für dessen Leistungen in der Schlacht bei Königgrätz aus. Das Kronprinzenpaar wohnte zu dieser Zeit mit den Kindern im Potsdamer Neuen Palais. Obwohl das Herrenhaus in Bornstedt keinen großen Komfort aufwies, hielt sich die Familie beinahe täglich dort auf, schreibt Bernd Maether in seinem Buch »Krongut Bornstedt«.

Der Kronprinz ließ seine Sprösslinge zusammen mit der Dorfjugend in einer Schule unterrichten. Er schätzte das Zusammenleben von Altersgenossen verschiedener Stände. Kronprinz Friedrich Wilhelm interessierte sich für das Leben der Armen. Zivil gekleidet bestieg er morgens ein Pferd und ritt auf die Felder, unterhielt sich mit den Bauern. Er galt als tolerant. Die Liberalen und die Juden setzten große Hoffnungen in ihn. Doch als der Kronprinz 1888 als Kaiser Friedrich III. den Thron bestieg, blieb ihm wenig Zeit. Schon lange krank, erlag er nach nur 99 Tagen einem Krebsleiden.

Sein Sohn, Kaiser Wilhelm II., erwies sich als ein Mann von ganz anderem Schlag. Er vertrat völlig andere politische Auffassungen, beteiligte sich maßgeblich daran, den Ersten Weltkrieg anzuzetteln.

Mit dem Krongut verbunden ist auch der Name der Prinzessin Feodora – wie Kaiser Friedrich III. keineswegs typisch für das Geschlecht der Hohenzollern. Die Prinzessin wohnte von 1903 bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1910 im Bornstedter Herrenhaus. Sie widmete sich dort der Malerei und dichtete lyrische Epen. Unter dem Pseudonym F. Hugin veröffentlichte sie Romane, Erzählungen und Gedichte. Die Honorare spendete sie für wohltätige Zwecke. Enge Kontakte pflegte die Prinzessin zeitweilig zu Professor Fritz Mackensen, einem der Begründer der Künstlerkolonie Worpswede. Der königliche Hof lehnte den von Mackensen vertretenen französischen Impressionismus ab. Als Feodora sich stilistisch in diese Richtung entwickelte, verbot ihr Kaiser Wilhelm II. sogar den Umgang mit Mackensen.

König Friedrich Wilhelm I. hatte das Gut Bornstedt 1722 dem Großen Militärwaisenhaus zu Potsdam überlassen. Ziel war die Versorgung der Kinder gefallener Soldaten. Das Krongut deckte das 18. Jahrhundert hindurch den Bedarf des Waisenhauses an Mehl und Fleisch. Es lieferte und verkaufte darüber hinaus große Mengen Bier, was zu einem Konflikt mit den Potsdamer Brauern führte.

Mitte des 19. Jahrhunderts leistete der Ludwig Persius einige Vorarbeiten für Neubauten auf dem Krongut. Nach dem frühen Tod des Architekten übernahm Hofbaumeister Johann Heinrich Haeberlin. Trotz späterer Eingriffe sorgte er für das jetzige Gesicht der Anlage. Durch eine Rekonstruktion ab dem Jahr 2000 entwickelte sich das Krongut zu einem Kulturforum, das gern von Touristen aufgesucht wird. In der DDR errichtete Büros, Garagen und ein Lager wurden abgerissen.

Bernd Maether (Hrsg.): »Krongut Bornstedt«, 239 Seiten (geb.), 24,95 Euro, ND-Bestellservice, Tel.: (030) 29 78 17 77

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