Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Velten Schäfer 07.01.2011 / Gewerkschaftliches

Die Tiefe des Grabens

Es war nie leicht zwischen den älteren und neuen sozialen Bewegungen, legendär ist der Streit zwischen Gewerkschaften und Atom-Gegnern. Inzwischen tobt die Auseinandersetzung noch grundsätzlicher: Wo Gewerkschaften mit Keynes verschenkte Wachstumspotenziale durch falsche Verteilung kritisieren, herrscht bei Umwelt- und Entwicklungsgruppen eine prinzipielle Wachstumskritik: Gut leben statt viel haben!

Verdächtige Sätze für Gewerkschafter. Irgendwie ähnlich den Verzichtsparolen, die doch die vagabundierenden Fantastilliarden erst freigesetzt haben, die seit 20 Jahren Löhne drücken und Jobs vernichten?

Zuletzt zeigte sich die Tiefe dieses Grabens im November im Berliner ver.di-Haus, wo eine NGO-Konferenz die EU-Handelspolitik kritisierte, um am Ende anhand von Durchschnittswerten Konsumverzicht im Norden zu fordern. Provozierend für eine Gewerkschaft, die längst zur Spezialistin für neue Armut geworden ist. Sie hatte keinen Vertreter geschickt.

Es war daher Zeit, dass sich Wachstumsverweigerer schriftlich an Europas Gewerkschaften gewandt haben und unter »postwachstum.net« weiterdiskutieren wollen. Aus ihrer Sicht ist »die Kürzungspolitik für die Mehrheit die logische Folge des (...) Wachstums und des Produktivismus«, der »eigenen Wachstumslogik« immanent – und Entschleunigung mit radikal weniger Arbeit die Antwort.

Ist »anderes Wachstum« möglich, kennt Produktivismus Steuerung? Muss sich Arbeitnehmerpolitik grundsätzlich ändern? Es ist einfach, Gewerkschaften Klima- oder Nord-Süd-Blindheit vorzuhalten. Doch so dringend wie diese unter heutigen Gesichtspunkten an die Konversionsdebatte der 80er anknüpfen müssten, stellen Visionen wie Wirtschaft ohne Wachstum auch im NGO-Lager neue Fragen.

Eine »westliche« Gesellschaft, die nicht auf Wachstum und Lohnarbeit setzte, bräuchte ein vom jetzigen Lohnsteuerstaat radikal verschiedenes Einnahmesystem. Zu diskutieren wären auch Bedingungen für echte Wirtschaftsdemokratie – dicke Bretter. Doch erst, wenn die NGO den Bohrer zumindest ansetzten, entstünde der Rahmen für eine Debatte, die Nord nicht gegen Süd ausspielt.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
26.05.2012 | Marcus Meier

Sind Frauen die besseren Politiker?

24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
Vernetzung

»nd in der Schule«

Medienkompetenz und politische Bildung
nd-Sonderbeilagen

Beilagenplan 2012

Die Sonder- veröffentlichungen in der Übersicht
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.