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Von Velten Schäfer 12.01.2011 / Titel

Bündnis gegen Tierfabriken

Umweltverbände machen gegen Massentierhaltung mobil / Dioxin bei Schweinen festgestellt

Der Dioxin-Skandal ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom – das wollen Umwelt- und Landwirtschaftsverbände bei einer Großdemo in der kommenden Woche unterstreichen. Als Sofortmaßnahme fordern sie eine Kennzeichnung von Industriefleisch.

Vor dem Hintergrund des neuesten Dioxin-Skandals haben Landwirtschafts- und Umweltverbände gemeinsam mit einer Professoren-Initiative einen Ausstieg aus der Massentierhaltung gefordert. »Im industriellen Maßstab ist Tierhaltung nur möglich, wenn Umwelt- und Tierschutz in den Verordnungen (...) ausgeblendet werden. Viel zu viele Tiere werden auf geringstem Raum in immer größeren Ställen zusammengepfercht und bezahlen mit ihrem Leid für das Profitstreben der Fleischkonzerne und das Versagen der Politik«, sagte BUND-Bundesvorsitzender Hubert Weiger in Berlin. Weiger fordert eine Kennzeichnung von Fleisch aus Massentierhaltung: »Auf die Produkte müssen die Haltungsbedingungen drauf.«

Ähnlich sehen es die 300 Professoren aller Fachrichtungen, die sich einer Initiative gegen Massentierhaltung angeschlossen haben. »In der Massenhaltung wird mit Tieren auf eine Art umgegangen, die uns als Gesellschaft beschämen muss«, heißt es in dem Appell, für den weiter Unterstützer gesucht werden. »Immer mehr Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft wollen sich nicht länger mit den Zuständen in der industriellen Tierhaltung abfinden«, sagte Friederike Schmitz, die die Kampagne als wissenschaftliche Mitarbeiterin am philosophischen Seminar der Uni Heidelberg mit angestoßen hat.

Zu den Unterzeichnern des Professoren-Appells gehören den Initiatoren zufolge bekannte Wissenschaftler wie der Theologe Eugen Drewermann, der Umweltethiker Konrad Ott, der Mediziner Wolfram Sterry, der Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer, der Philosoph Dieter Henrich und der frühere Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Dieter Simon. Man wolle die breite gesellschaftliche Verankerung der Kritik an Massentierhaltung abbilden, sagte Mitinitiatorin Schmitz.

Nun wollen die Gegner der »Tierfabriken« am 22. Januar anlässlich der Agrarmesse »Grüne Woche« in Berlin gemeinsam auf die Straße gehen. »Wir sind eine breite Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft«, sagt Jochen Fritz vom Veranstalter-Bündnis: »Der Systemfehler ist die industrielle Landwirtschaft, die von Merkel und Aigner unterstützt wird.« Die Demonstration richte sich aber auch gegen »Gentechnik und Dumping-Exporte«.

BUND-Chef Weiger hält die Grüne Woche ebenfalls für einen guten Anlass zum Demonstrieren. Ihm zufolge »verblödet« die Messe ihre Besucher regelrecht: So werde stets eine Viehhaltung auf Stroh suggeriert, die längst der Vergangenheit angehöre.

Die Industrie verwahrt sich dagegen gegen Generalisierungen. »Die Tierhaltung in Deutschland erfolgt heute auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und ist durch eine hohe Fachkompetenz und Sachkunde der Halter gekennzeichnet«, so Thomas Janning vom Zentralverband der Geflügelwirtschaft. »Alleine das Management im Stall und nicht die Anzahl der Tiere ist entscheidend, um zu bewerten, ob eine tiergerechte Haltung erfolgt oder nicht.«

Unterdessen wurde in einer Schweinemästerei im niedersächsischen Landkreis Verden bei einer Probeschlachtung ein erhöhter Dioxinwert festgestellt. Bisher war das Gift nur in Eiern und Hühnerfleisch gefunden worden. Der in Niedersachsen betroffene Landwirt soll das Futter selbst gemischt, aber Komponenten von dem in die Schlagzeilen geratenen Fettzulieferer in Schleswig-Holstein bezogen haben.

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5 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Thore, 12. Jan 2011 14:51

    fehlender Tierschutz im Programmentwurf der Linken

    seit einem Programm-Forum zum Thema "ökologisch-sozialer Umbau" lassen mich zwei Gedanken nicht mehr los:
    1. Warum steht sowenig zum Tierschutz im Programmentwurf? nämlich genau soviel :"...der Tierschutz (muss) konsequent durchgesetzt werden."
    2. Warum reagierten bisher die meisten linken Umweltaktivisten so müde auf meine Nachfrage zu dem Thema?
    es gibt zwar eine relativ gut formulierte Aussage zum Thema Tierschutz:
    (googeln: Linke bundestagswahl_2009/positionen/tierschutz)
    die ist aber nicht mehr in allen Punkten (Kleingruppenhaltung von Legehennen zum Bsp.) aktuell und steht eben auch nicht im Programmentwurf!
    Das Thema ist zu wichtig, um es müde abzuwinken, denn
    A) Es laufen, fliegen und schwimmen jeden Tag in allen Medien Tiere herum->dieses Thema interessiert viele Menschen, könnte also auch Menschen motivieren, die LINKEN zu wählen oder eben nicht!
    B)wie eng dieses Thema mit sozialen Themen verknüpft ist, zeigt die Kurz-karriere der CDU-Ex-Landwirtschaftsministerin in Niedersachsen, Astrid Grotelüschen. In deren Putenproduktionbetrieben werden nämlich mutmaßlich sowohl Tiere gequält, als auch mutmaßlich Schwarzarbeiter zu Dumpinglöhnen beschäftigt.
    C) TROTZ HOHER SUBVENTIONEN für dieTierproduktions- und Landwirtschafts-Betriebe ist der Preisdruck in der Branche enorm. Daher
    D) Wird mit Lobby-Arbeit versucht, die Tierschutz-Standarts möglichst gering zu halten. Diese Mindest-Standarts bedeuten ausserdem, daß die meisten Tiere zum Beispiel auf der minimal-möglichen Fläche gehalten werden.
    F) In der Praxis wird versucht, diese Standarts (kriminell) zu umgehen. Dies gelingt oft, da staatliche Kontrollen fehlen!
    G) Die Massentierhaltung führt zu geringstem (ethischen und materiellem) Wert des einzelnen Tieres. Diese einzelnen Kreaturen sind aber fühlende Wesen!
    H)Die ethische Verpflichtung Linker Politik zum humanen Umgang mit Tieren ist genauso wichtig wie zum humanen Umgang mit Kriminellen.

    • Permalink

  • Thore, 12. Jan 2011 15:14

    fehlender Tierschutz um Programmentwurf der Linken 2

    I) Auch in der DDR wurden Tiere und Pflanzen industriemäßig produziert. Viele Genossen, die sich heute zuUmweltschutz, Landwirtschaft, Tierproduktion in die Programm-Diskussion oder die Parteiarbeit einbringen, haben in Ihrer beruflichen Laufbahn also in und an solcher Art Massentierhaltung und Großraumagrarwirtschaft mitgewirkt. Können Sie wirklich umdenken?
    J) Der Endverbraucher ist - aufgrund der hohen Arbeitsteilung-, nicht nur bei Lebensmitteln, inzwischen meist soweit vom Produktionsprozess der von ihm gekauften Ware entfernt, daß er deren Wert nur noch selten wirklich einschätzen kann. Viele Produkte erzielen Ihren Preis nicht durch Ihren tatsächlichen Wert (also die menschliche Arbeit, die im Produkt steckt), sondern durch den Werbe-Etat.
    K) Daher ist es notwendig, daß der Kunde sich umfassend informieren können muß, dass Internet ist da eine gute Chance, guter Journalismus ebenfalls. Etwas ähnliches wie der Polytechnische Unterricht in den DDR-Schulen würde Jugendliche mit verschiedenen Produktionsverfahren vertraut machen.Betriebs-Geheimniskrämerei und Patentschutz behindern diese Informationsmöglichkeiten. Wie sie auch gesamtgesellschaftlich eher schaden als nützen.

    Ich habe zu dem ganzen Thema viel nachgedacht, doch mehr Fragen als Antworten. Ich hoffe auf Rückmeldung anderer Leser, schreibt mir gerne!

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  • Thore, 12. Jan 2011 15:34

    Fehlender Tierschutz im programmentwurf der Linken 3

    p.s.Welchen Namen die Ideale Gesellschaftsform -für mich u. a. ohne Tierquälerei- dann trägt, ist mir persönlich egal. Der ?ismus? ist unwichtig! Wichtig ist, dass sich was zum Guten ändert. Insofern Danke an Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, Gregor Gysi. Jeder sollte zu dem Thema im Programmentwurf was beitragen, von dem er was versteht!

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  • fuerTiere, 13. Jan 2011 11:24

    Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag.

    Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer...!

    • Permalink

  • Rotspoon, 13. Jan 2011 21:06

    Nur eine Frage?

    Was ist das, das Gute?

    • Permalink

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