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Von Thomas Klatt
13.01.2011

Jenseits der Sarrazin-Hysterie

Ein Dossier des deutschen Kulturrats reflektiert kritisch die hierzulande geführten Debatten über den Islam

Islam-Debatten sind häufig von Unkenntnis und Vorurteilen geprägt. Nun könnte eine vom Deutschen Kulturrat zusammengestellte Textsammlung über die islamische Zivilgesellschaft dazu beitragen, die Diskussionen zu versachlichen.
Die Berliner Omar-Moschee ist eines von rund 2500 islamischen Go
Die Berliner Omar-Moschee ist eines von rund 2500 islamischen Gotteshäusern in Deutschland.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Deutsche Kulturrat ein umfangreiches Dossier zur kulturpolitischen Macht von Religionsgemeinschaften vorlegt. Schon vor Jahren machte Geschäftsführer Olaf Zimmermann auf die gesellschaftsprägende Kraft der christlichen Kirchen aufmerksam, allein schon aufgrund der Mitgliederstärke und der damit verbundenen Menge an Kirchenchören und Gruppen in der Erwachsenenbildung. Nun also sei es gerade durch die »Sarrazin-Hysterie« längst an der Zeit, auch auf die islamische Zivilgesellschaft mitten unter uns zu schauen und diese zu thematisieren, schreibt Zimmermann im einführenden Editorial.

In der Tat liegt der aktuellen Verbandszeitung »Politik und Kultur« ein informatives rund 40 Seiten umfassendes Konglomerat zahlreicher Fachautoren bei. Darin wird aber weniger die Kultur des Islams in Deutschland, als vielmehr die Debatte und die Wissenschaft über den Islam kenntnisreich beleuchtet. Anders als bei der Vorgängerschrift über die kulturpolitische Macht der Kirchen erfährt der Leser kaum etwas darüber, was in den rund 2500 Moscheen in Deutschland geschieht. Es gibt nicht einmal eine quantitative Erfassung, etwa wie viel Konzerte oder Musikveranstaltungen im Umkreis der Moscheevereine und islamischen Verbände im Jahr angeboten, wie viele Deutsch- oder Integrationskurse durchgeführt oder wie viele Dialogveranstaltungen mit anderen Religionen abgehalten werden. Dennoch lohnt sich die Lektüre für diejenigen, die fast zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center eine Zusammenfassung der seitdem geführten Islam- und Islamismusdebatten suchen.

Die Sozialwissenschaftlerin Sonja Haug gibt nach den aktuellsten Erhebungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge einen Überblick über die heterogene ethnische Verteilung der Muslime in Deutschland. Sie zeigt sich überrascht über das große Engagement muslimischer Bürger etwa in örtlichen Sport- oder Kulturvereinen. Für Haug ist dies ein Hinweis auf die zunehmende soziale Integration im Land.

Mehrere Beiträge diskutieren die Glaubenstoleranz im Islam, etwa gegenüber Konvertiten und Atheisten. Die Anerkennung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ohne Relativierung durch die Scharia scheint aber längst nicht für alle Muslime selbstverständlich zu sein. Verfassungsschutz-Chef Heinz Fromm warnt vor radikalen Randgruppen wie etwa den Salafisten, die auch Deutschland in den Zustand eines mittelalterlichen Ur-Islams versetzen möchten.

Andererseits wird auch auf die wachsende Islamfeindlichkeit hingewiesen. Die Direktorin der Berliner Ha'atelier-Werkstatt, eine internationale Plattform für jüdisch-muslimische und andere Kooperationen in Philosophie und Kunst, Almut Sh. Bruckstein, sieht statt sachgerechter Debatten in der Polarisierung zahlreicher Talkshows über Kopftücher und die »Angst vor dem Islam« eine Art kollektive Einübung in das lange versagte deutsche Nationalgefühl. Der Erfurter Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez beklagt, dass kaum ein deutscher Journalist arabische Originalquellen korrekt zitieren könne, viele aber durch die Art ihrer Themensetzung zur Skandalisierung des Islambildes beitragen würden. Eine der wenigen löblichen Ausnahmen sei dagegen das durch das deutsche Außenministerium geförderte Online-Portal quantara.de, eine sachkundige Brücke zwischen der östlichen und der westlichen Welt.

Schließlich wird in dem Dossier auf die Vielzahl gesamtgesellschaftlicher Zukunftsaufgaben verwiesen, sei es die Einrichtung islamisch-theologischer Lehrstühle an deutschen Universitäten, der Ausbau des islamischen Religionsunterrichtes oder auch die Entdeckung der islamischen Kultur. Olaf Hahn von der die Publikation unterstützenden Robert-Bosch-Stiftung schreibt über die Nachkommen der heute schon rund vier Millionen Muslime in Deutschland: »Es liegt auf der Hand, dass diese Kinder in 20 bis 30 Jahren starken Einfluss auf die Gestaltung unseres Gemeinwesens ausüben werden, was zu Veränderungen in nahezu allen Bereichen des Lebens führen wird, auch in der Kultur.«

Islam-Kultur-Politik, Dossier zur Politik und Kultur, Deutscher Kulturrat Januar-Februar 2011, www.kulturrat.de

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