Von Barbara Martin, Stuttgart
22.01.2011

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Umwelthilfe: AKW Neckarwestheim zu unsicher

Das AKW Neckarwestheim genüge nicht aktuellen Sicherheitsstandards, mahnen Umweltschützer. »Panikmache«, sagt das Umweltministerium im Ländle, »sonst wäre es ja verboten«, sagt die Betreiberin EnBW.

Eines der ältesten deutschen Atomkraftwerke ist zu unsicher für den Betrieb. Das meint jedenfalls die Deutsche Umwelthilfe und forderte gestern umfangreiche Nachrüstungen: Das 35 Jahre alte AKW Neckarwestheim hätte nach Ansicht von Bundesgeschäftsführer Rainer Baake keine Laufzeitverlängerung bekommen dürfen.

Das AKW bei Heilbronn wird von der Energie Baden-Württemberg (EnBW) betrieben. Die hat laut Baake 2007 im Rahmen eines Antrags auf Laufzeitverlängerung selbst Sicherheitsnachrüstungen beantragt, die aber bis heute nicht umgesetzt worden seien. Hätte die schwarz-gelbe Bundesregierung nicht im vorigen Jahr den Atomkonsens gekündigt und Laufzeitverlängerungen durchgesetzt, wäre Neckarwestheim I dieser Tage vom Netz genommen worden. Nun kann der Meiler mindestens acht Jahre weiterlaufen, ohne dass das Land als Aufsichtsbehörde oder der Bund als Gesetzgeber auf angemessene Sicherheit bestehe – »ein Spiel mit dem atomaren Feuer«, so Baake, der in der rot-grünen Koalition Staatssekretär bei Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) war und den Atomausstieg von 2002 mitverhandelt hat.

Anfang des Jahres hat die Umwelthilfe Wolfgang Renneberg mit einem Gutachten zu Neckarwestheim I beauftragt. Renneberg ist anerkannter Sicherheitsexperte in Sachen AKW und war von 1998 bis 2009 Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium. Er habe deren Unterlagen von 2008 ausgewertet, sagte er. Sein Fazit: Die Sicherheitstechnik in Werk I liege weit hinter dem heutigen technischen Stand. Das Notkühlsystem sei ebenso unzureichend wie der Brandschutz und der Schutz bei Erdbeben, die Rohrleitungen wären teilweise renovierungsbedürftig. Im schlimmsten Fall – einer Kernschmelze – wäre das gesamte Ballungsgebiet Stuttgart jahrzehntelang unbewohnbar.

Sowohl das Umweltministerium in Stuttgart als auch die EnBW wiesen die Vorwürfe erwartungsgemäß zurück. Ein Sprecher des Ministeriums nannte die Kritik der Umwelthilfe »Panikmache«. Für den Betrieb sei nicht das Alter des Werkes, sondern die Sicherheit entscheidend, und die stimme. Die EnBW teilt mit, die von ihr 2007 beantragten umfangreichen Nachrüstungen seien nicht mehr aktuell, da die Bundesregierung mit der Laufzeitverlängerung neue Rahmenbedingungen geschaffen habe. Derzeit prüfe man nach den neuen Richtlinien, wenn die Untersuchung beendet ist, werde man »ein anlagenspezifisches Maßnahmepaket« für das Werk definieren. Dass Neckarwestheim I sicher sei, sieht man nach Ansicht der EnBW schon daran, dass ansonsten die zuständigen Behörden den Betrieb verbieten würden.

Wenn die SPD in Baden-Württemberg ans Ruder käme, würde sie genau das tun. Die Landtagsfraktion hält die von der Umwelthilfe geforderte Nachrüstung für sinnlos, da das AKW auch dann nicht gegen Terrorangriffe oder Flugzeugabstürze gesichert sei. »Als Regierungsfraktion will die SPD diesen alten Meiler so schnell wie möglich abschalten«, sagte der energiepolitische Sprecher der Fraktion Thomas Knapp.

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