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Die Fassade der Martkhalle in der Eisenbahnstraße ND-
Foto: Ulli Winkler
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Die Fassade klassisch in gelben und roten Backsteinen gemauert, innen türkisfarbene Säulen und eine helle Holzdachkonstruktion. All dies charakterisiert die Markthalle IX in Kreuzberg. Etwa 50 Zuhörer sind am Freitagabend gekommen, um dort eine Veranstaltung anlässlich der »Wir haben es satt«-Demonstration zu verfolgen. Sie repräsentieren nicht die zu vermutende multikulturelle Bevölkerungsstruktur Kreuzbergs. Migranten sind zumindest äußerlich nicht zu erkennen. Bildungsbürger allen Alters verfolgen die Diskussion. Eingeladen hat die Projektgruppe Markthalle IX, die sich um den Kauf der 1891 in Betrieb genommenen Halle zwischen der Eisenbahn- und Pücklerstraße bemüht.
»Wir wollen, dass die Markthalle IX ein einzigartiger Lebensmittelstandort und Treffpunkt für die Nachbarschaft wird«, erzählt Nikolaus Driessen von der Projektgruppe. Er lebte jahrelang im Kiez um den Lausitzer Platz und hat gesehen, »wie die Halle total runtergewirtschaftet wurde«. Heute verkaufen Aldi, Drospa und Kik ihre Billigprodukte. Aber wohl nicht mehr lange. Anfang 2009 wurde bekannt, dass eine der letzten erhaltenen Berliner Markthallen von einst 14 verkauft werden soll.
In das Verfahren mischte sich eine Anwohnerinitiative ein. Sie will keinen riesigen Supermarkt, sondern eine »Halle für alle« und die Rückkehr zu einem Markt mit vielen kleinen Händlern. Von diesem Konzept ließ sich auch der Wirtschaftssenat überzeugen. Nicht mehr das höchste Gebot soll den Zuschlag bekommen. »Bei der Entscheidung wird auch bewertet, welchen Beitrag der Käufer für die Entwicklung des Kiezes leisten will«, erklärt Jens-Peter Heuer, Staatssekretär im Wirtschaftssenat gegenüber ND.
Für 1,1 Millionen Euro will das fünfköpfige Team der Projektgruppe das denkmalgeschützte Gebäude erwerben. Die Interessenten gingen aus der Anwohnerinitiative hervor. Der Gastronom Bernd Maier erklärt ihre Idee so: »In der Markthalle sollen handwerklich und kulturell hochwertige Lebensmittel verkauft werden, die möglichst aus der Region kommen.« Nikolaus Driessen ergänzt: »Die Markthalle soll lokal verankert sein, muss aber über den Kiez hinaus strahlen, um wirtschaftlich funktionieren zu können.« Daher gebe es beispielsweise eine enge Zusammenarbeit mit der Organisation »Slow Food«, die sich für den bewussten Genuss von Essen und Trinken einsetzt. Wie diese Qualität für finanziell schwächer gestellte Anwohner bezahlbar sein soll, bleibt bei den Ausführungen unklar. »Früher gaben die Menschen 60 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus«, argumentiert Maier. Dass viele Menschen diesen Anteil heute für ihre Miete aufbringen müssen, sei ihm bewusst. »Doch sie kaufen auch so viele andere Dinge.«
Wenn die Projektgruppe Markthalle IX den Zuschlag erhält, möchte sie am ersten Oktober als Wochenmarkt eröffnen. Im Sommer könne der Verkauf laut Wirtschaftssenat abgeschlossen werden. Fraglich bleibt, welche wirtschafts- und stadtentwicklungspolitischen Ziele das Land mit dem Verkauf der Markthalle verfolgt. Wenn es etwa um die weitere Aufwertung des Kiezes geht, wo soll die Entwicklung angesichts der seit Jahren steigenden Mieten in Kreuzberg hinführen?
Bis dahin bleibt die Markthalle vielfältig genutzt. Der Prinzessinengarten ist temporär eingezogen. Jeden Samstag findet der Treff »Kaffeetrinken bei Inge« statt. Und auf der »Kulturfläche neuN« gibt es regelmäßig Lesungen und Konzerte.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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