Von Walter Willems
05.02.2011

Der frühe Weg aus Afrika

Menschen vor 125 000 Jahren ausgewandert

Die ersten Menschen verließen Afrika offenbar schon vor etwa 125 000 Jahren – und damit rund 60 000 Jahre früher als bislang angenommen. Darauf deuten Steinwerkzeuge hin, die ein internationales Forscherteam auf der Arabischen Halbinsel nahe am Persischen Golf entdeckte.

Der moderne Mensch entstand vor etwa 200 000 Jahren in Afrika. Bislang dachte man, dass erste Vertreter des Homo sapiens den Kontinent erst vor etwa 60 000 bis 70 000 Jahren verließen. Zweifel an dieser Theorie wecken nun die steinernen Faustkeile, Schaber und Locher, die das Forscherteam um den Archäologen Hans-Peter Uerpmann von der Universität Tübingen in den Vereinigten Arabischen Emiraten an der Ausgrabungsstätte Jebel Faya fand.

Die Wissenschaftler datieren den primitiven Werkzeugsatz im Magazin »Science« (Bd. 331, S. 453) auf ein Alter von etwa 125 000 Jahren. Zwar könnten außer dem Homo sapiens auch andere von dessen Vorfahren solche Objekte hergestellt haben. Aber nach Ansicht der Forscher ähneln die Funde Werkzeugen in Ostafrika, die eindeutig dem Homo sapiens zugeschrieben werden.

Noch eine weitere Annahme stellen die Forscher in Frage: Bislang war Konsens, dass die ersten Menschen Afrika im Norden nahe der Mittelmeerküste verließen. Uerpmann glaubt dagegen, dass sie am südlichen Roten Meer auf die arabische Halbinsel übersetzten.

Während der letzten Zwischeneiszeit vor etwa 130 000 Jahren sei der Wasserspiegel zeitweilig rund 100 Meter niedriger gewesen als heute, erläutert Koautor Adrian Parker aus Oxford. Dadurch schrumpfte die Meerenge auf eine Breite von nur noch etwa vier Kilometern. Auch die Durchquerung der arabischen Halbinsel war demnach kein Problem. Im Vergleich zur heutigen Wüste war die Region damals viel feuchter und bot Menschen damit ausreichend Nahrung.

Allerdings überzeugt die Interpretation der Funde nicht alle Fachkollegen. Paul Mellars von der Universität Cambridge bestreitet die Ähnlichkeit der Werkzeuge zu den Funden aus Ostafrika. Die Werkzeuge könnten seiner Meinung nach ebenso gut von Neandertalern oder anderen Homininen stammen, die Afrika lange vor dem Homo sapiens verließen. »Es gibt nicht den kleinsten Beleg dafür, dass sie von modernen Menschen hergestellt wurden«, sagt der Archäologe. Uerpmann räumt ein, dass seine Interpretation durch die Funde nicht endgültig bewiesen sei. Um ganz sicher zu sein, müsse man entsprechend alte Knochenreste moderner Menschen finden.