Laut »New York Times« arbeitet die USA-Regierung mit ägyptischen Regierungsvertretern an einem Plan, Präsident Husni Mubarak nun doch rasch abzulösen. Vizepräsident Omar Suleiman (75) soll eine Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition führen. Vom Folterer zum Demokraten – in nur wenigen Tagen?
Der ehemalige USA-Botschafter in Kairo, Edward S. Walker, hält General Suleiman für »intelligent«, »sehr realistisch«, aber »nicht zimperlich«. Mubarak und Suleiman seien ein und dieselbe Person, jedenfalls was ihre Ideologie betrifft, sagt Emile Nakhleh, ein ehemaliger Top-Nahost-Analytiker der CIA. »Er ist ein barmherziger Mann, ein freundlicher. Er quält nur Leute, die er nicht kennt«, sagt Ron Suskind, ein in den USA einschlägig bekannter Buchautor. Wenn die CIA ihn um die DNA-Probe eines Verwandten von Al-Qaida-Führer Sawahiri gebeten hätte – Suleiman hätte den ganzen Arm des Mannes angeboten.
Und so meint denn auch das »Time«-Magazin, Noch-Machthaber Mubarak habe Suleiman nicht zum Vize gemacht, weil er im Volke beliebt ist, sondern weil er die Armee besser kenne als jeder andere. »Er hat die Biografie jedes Offiziers auswendig gelernt und kann auf geradezu unheimliche Weise voraussagen, wer loyal ist und wer nicht.« Dieses Wissen sei ein Schlüssel für jeden, der die seit 1952 bestehende Militärherrschaft kontrollieren will.
Suleiman wurde im südlichen Qena geboren, absolvierte eine Militärakademie sowie Einrichtungen in der Sowjetunion und in den USA. Er kämpfte in Jemen und 1967 ebenso wie 1973 gegen Israel. 1993 wurde er Chef des Geheimdienstes. Zwei Jahre später rettete er Mubarak das Leben, als er ihm riet, beim Besuch der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eine Panzer-Limousine zu benutzen.
Suleiman, der elegant gekleidete Zigarrenraucher, jagt unbarmherzig Mitglieder des Islamischen Dschihad. Doch er weiß auch zu vermitteln. In Israel ist er beliebt. Mit Premier Benjamin Netanjahu ist er sich einig im tiefen Misstrauen gegenüber Teheran. Zwischen den Palästinensergruppen Fatah und Hamas bewegt sich Suleiman so geschickt wie zwischen verfeindeten Gruppen in Jemen und Sudan. Immer mit dabei ist die CIA. Die sieht in Suleiman ihren wichtigsten Mann in Kairo. Und das gewiss nicht nur, weil er für US-Geheimdienstchefs Bootsfahrten auf dem Nil organisierte. Höchst engagiert passte er sich in den globalen Krieg gegen den Terror ein. So spielte Suleiman eine wichtige Rolle bei so genannten »extraordinary renditions«, geheimen Entführungsaktionen der US-Dienste. Wie viele Rechtlose an Ägypten überstellt wurden, um dort »intensiver verhört« zu werden, ist unbekannt. Im USA-Kongress war die Rede von »zwei Dutzend Terrorverdächtigen«.
Jeder einzelne Fall wurde mit Suleiman besprochen. Zwar war die CIA per Gesetz verpflichtet, sich von den ägyptischen Kollegen versichern zu lassen, dass die Gefangenen nicht gefoltert werden. Doch – so ein einstiger beteiligter CIA-Agent bei einer Kongressanhörung in Washington – war diese Versicherung »nicht einen Kübel warmer Spucke wert«.
Wohl aber waren manche von Suleimans Schergen erfolterte Aussagen wertvoll. Egal, wie viel sie mit der Wahrheit zu tun hatten. Um den Überfall auf Irak zu rechtfertigen, zitierte US-Außenminister Colin Powell im Februar 2003 in seiner Lügenrede vor der UNO aus dem Vernehmungsprotokoll des Bin-Laden-Vertrauten Ibn al-Sheik al-Libi. Inhalt: Das Bagdader Regime Saddam Husseins arbeite beim Einsatz biologischer und chemischer Waffen eng mit Al Qaida zusammen. Die Welt erschauerte ... Später widerrief Libi: »Sie wollten mich töten. Ich musste ihnen etwas sagen.«
Millionen Menschen tragen derzeit ihren Protest gegen Präsident Husni Mubarak auf die Straße. Doch nicht nur hier, auch in anderen arabischen Ländern wehren sich die Bürger mit demokratischen Mitteln gegen ihre Regierungen. Mehr
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