Washington (dpa/ND). Wie das Magazin »Rolling Stone« im Internet berichtete, erhielt ein Spezialteam für psychologische Kriegsführung den Auftrag, Entscheidungsträger während ihrer Besuche am Hindukusch zu manipulieren. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sollte demnach dazu gebracht werden, sich in Deutschland für weitere Ressourcen stark zu machen.
Der Leiter der Einheit für »psychologische Operationen« habe die Mitarbeit jedoch verweigert. Der Oberkommandierende der internationalen Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, ordnete unterdessen eine Untersuchung an. Zu den Zielen der angedachten Psycho-Operation hätten vor allem wichtige US-Politiker gezählt, hieß es. Manipuliert werden sollten auch andere »VIP« wie US-Generalstabschef Mike Mullen oder der tschechische Botschafter in Afghanistan. Auf der langen Liste sei auch der in dem Beitrag nicht namentlich genannte »deutsche Innenminister« aufgetaucht. Da sich die Vorgänge 2010 abgespielt hätten, wäre de Maizière gemeint.
Das Magazin beruft sich auf ein Interview mit dem Chef der in Kabul stationierten Spezialtruppe, Oberstleutnant Michael Holmes. Er habe die Order von seinem Vorgesetzten General William Caldwell erhalten, der die Ausbildung afghanischer Truppen verantwortet. Weil der Einsatz psychologischer Kriegsführung aber nur gegen »feindliche ausländische Gruppen« gestattet sei, habe er sich geweigert, den Auftrag auszuführen. »Mir ist es verboten, so etwas gegen unsere eigenen Leute anzuwenden. Wenn man mich auffordert, solche Methoden auf Senatoren und Abgeordnete einzusetzen, dann wird eine Grenze überschritten«, sagte er in dem Interview. Für seine Weigerung wurde er nach eigener Aussage gerüffelt.
Caldwell ließ durch einen Sprecher alle Vorwürfe zurückweisen. Der »Rolling Stone«-Text enthält keine Beispiele dafür, dass Politiker tatsächlich bewusst mit Fehlinformationen versorgt wurden. Ein ähnliche explosiver Artikel in dem Magazin vom selben Autor hatte im Juni 2010 zur Entlassung von Petraeus' Vorgänger geführt. Stanley McChrystal hatte sich gegenüber dem Journalisten abwertend über ranghohe US-Politiker geäußert und musste deswegen seinen Posten räumen.
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