Von Nicolas Šustr
08.03.2011

Top-Bosse stehen auf Berlin

Eine Umfrage belegt, dass die Spreemetropole weltweit auch unter Spitzenpersonal angesehen ist

Wie sieht die Welt Berlin? Anscheinend recht positiv, wenn man die steigenden Touristenzahlen betrachtet und in besonders beliebten Gegenden auch etwas erleiden muss. Doch auch die Ansiedlung von neuen Unternehmen und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen ist Ziel des Senats. Seit drei Jahren kümmert sich die Marketingkampagne »be Berlin« um die Hebung des Stadtimages auch als Wirtschaftsstandort.

Den aktuellen Stand der Dinge zeigt eine von den Hauptstadtwerbern beim Marktforschungsinstitut TMS Infratest in Auftrag gegebene Studie. Befragt wurden in weltweit zwölf Ländern Führungskräfte hauptsächlich aus der Wirtschaft, im drolligen Marketingjargon die sogenannten Top-Entscheider. Vielleicht waren die Führungskräfte nur höflich, aber die spontanen Assoziationen fallen freundlich aus: Zwei Drittel der Befragten denken an den Mauerfall, auf den Plätzen 2 und 3 kommen Wiedervereinigung und Brandenburger Tor. Immerhin 35 Prozent assoziieren innovative Firmen, 27 Prozent die Kunstszene, ein Viertel die Forschungslandschaft und Industrieprodukte aus Berlin. Neun von zehn Künstlern und Befragten aus der Wirtschaft verbinden positive Gefühle mit ihren Berlin-Assoziationen, bei den Wissenschaftlern sind es 76 Prozent.

Absolut negativ ist logischerweise die Erinnerung an Krieg, auf einer vorgegebenen Liste kreuzten 43 Prozent der Befragten diese Assoziation an. Ambivalent sind die Gefühle beim Schlagwort »Ostdeutschland«, das vier von zehn Studienteilnehmern auswählten.

Dementsprechend könnten sich über zwei Drittel der Führungskräfte vorbehaltlos oder »eher« vorstellen, hier zu leben und zu arbeiten, 63 Prozent sehen auch die Wahl Berlins als neuen Standort durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen. Besonders hoch ist die Affinität zur Stadt in Frankreich, Russland, Indien und China. Wesentlich verhaltener zeigen sich Briten und US-Amerikaner. Im Vergleich zu einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 2007 sind die Zustimmungswerte deutlich gestiegen.

Trotz der hohen Meinung wünschen viele der Befragten mehr Informationen über Berlin als Wirtschaftsstandort, über Kunst und Kultur sowie die Wissenschaft. Senatssprecher Richard Meng sieht »spezifischeren Informationsbedarf, als ›Berlin‹ bei Google einzutippen«. Optimierungsbedarf bestehe bei den wissenschaftlichen Homepages: »Vielleicht müssen wir hier mehr bündeln.« Den offiziellen Facebook-Auftritt mit einer halben Million Fans sieht er als großen Erfolg. Diesem »dialogischen« Bereich müsste allerdings verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden.

»Überrascht« zeigte sich Michael Mehlting von TNS Infratest darüber, dass Befragte aus Japan, Dänemark und Australien Probleme im Bereich Sicherheit sahen. Welcher Natur diese Sorgen waren, konnte er leider nicht beantworten.

Weltweit liegen zwar immer noch New York und London vorne, doch beweise die Umfrage, »dass es uns in den vergangenen Jahren gelungen ist, die Stärken Berlins im Bewusstsein der internationalen Eliten zu verankern«, freut sich Meng. Im Hinblick auf einen sich abzeichnenden Touristenüberdruss in den Szenevierteln hofft er, »dass das nicht so sehr dazu beiträgt, das Bild zu trüben«.

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